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Die stets zuverlässige Naomi Watts als Princess of Wales, unter der Regie von Oliver Hirschbiegel, der mit „Der Untergang“ und „Das Experiment“ bereits bewiesen hat, dass er sein Fach beherrscht. Da sollte doch nichts schief gehen, oder dabei zumindest ein ansehnlicher Film entstehen. Sollte! Weshalb am Biopic „Diana“ aber so gut wie gar nichts zusammen passt und wer dafür die Verantwortung trägt, das sind unsere Themen im dieswöchigen Dialog.

PD: Zu meiner Freude wurde „Diana“ für einen Preis nominiert.

YP: Das kann ich schwer glauben. Da kommen doch nur die Razzies in Frage?

PD: Ja, Naomi Watts wurde als „Worst Actress“ nominiert. Mich freut zwar die Ehre für diesen Film, aber es trifft ausgerechnet die einzige Beteiligte, die wohl am wenigsten dafür kann.

YP: Sie konnte wirklich nichts dafür und wenn ich etwas Positives am Film bemerke, dann ihre Leistung als Diana. Ich habe schon ausführlich über „Diana“ für filmering geschrieben. Was würdest du sagen, ist denn das größte Problem des Films. Das Drehbuch?

PD: Problematisch sind sowohl das Drehbuch von Stephen Jeffreys (basierend auf einem Buch von Kate Snell) als auch die Inszenierung von Oliver Hirschbiegel. Das Drehbuch beschränkt sich zwar auf einen bestimmten Lebensabschnitt aus Dianas Leben, hat aber nicht mehr zu bieten als Boulevard-Geschichten und Gerüchte, die aufgewärmt werden. Zudem ist die Inszenierung von Hirschbiegel unglaublich uninspiriert. Er setzt die ganzen Vorgänge wie für einen kleinen Fernseher in Szene. Ich sah den Film zwar auf einer großen Leinwand, hatte aber das Gefühl einem „Fernsehfilm der Woche“ beizuwohnen. Nicht nur wegen der Qualität des Gebotenen, sondern eben auch aufgrund der Inszenierung. Die Platzierung der Kamera (und wie sie geführt wurde) ist einfach unzureichend. Naomi Watts hingegen versucht noch halbwegs aus dem schwachen Material etwas herauszuholen obwohl ihre Darbietung nicht gerade begeistert. Sie bietet biederes Handwerk, aber auf Basis dieses Drehbuchs und mit dieser Inszenierung konnte offenbar auch nicht mehr heraus schauen.

YP: Wenn ich daran denke, wie dicht und straff Hirschbiegels „Der Untergang“ ist. Bei „Diana“ schaut man ein wenig durch die Finger und fühlt sich richtig betrogen, dass man für diesen TV-Schmafu noch Geld ausgeben musste. Uninspiriert ist das Wort, das die ganze Machart des Films beschreibt. Ich habe früher im Fernsehen (meistens war das auf ARD oder ZDF) diverse Diana-Filme gesehen und so kam mir Hirschbiegels Film dann auch vor. Etwas Bekanntes und bereits Gehabtes in neuer und sehr teurer Kleidung.

PD: Genau dort wäre dieser Film auch besser aufgehoben gewesen, nur eben mit einer anderen und weniger populären Besetzung. Dann hätte man sich im Rahmen der TV-Inszenierung (die dann wohl auch günstiger ausgefallen wäre) vielleicht mehr angestrengt, um kreativ zu sein.

Dabei hatte man ja tatsächlich genügend Gelegenheiten, um aus diesem Stoff einen interessanten Film zu machen. Wenn das Interview von Diana mit der BBC zu ihrer gescheiterten Ehe und dem Verhältnis zu Charles und Camilla thematisiert wird, dann geht der Film tatsächlich in eine spannende Richtung. Dass Diana ihre Tränen, ihr Geständnis, alles kontrolliert und einstudiert hat, wäre einen guten Film Wert gewesen. So bleibt es aber eine etwas irritierend unglaubwürdige Notiz, in einem Film, der Diana als naives Dummchen (was sie laut einigen britischen Medien ja tatsächlich war) zeigt.

Wirklich Leid tat es mir um Naveen Andrews. Der war regelrecht verloren in dieser Rolle als Dr. Khan und hatte überhaupt nichts zu tun.

YP: Ich bin im Grunde nicht sonderlich an Diana interessiert, wobei sie als Medienfigur – bzw. Frau im Scheinwerferlicht – richtig spannend ist. Während der Sichtung habe ich mir die ganze Zeit gedacht: das ist doch lahm. Die wirkliche Diana, bzw. das Bild, das uns die Medien transportiert haben, ist doch viel spannender als dieser Abklatsch im Film. Für gewöhnlich übertreiben die Medien in ihrer Darstellung. Hier ist es so, dass ich lieber im Internet recherchiere als mir den Film zu geben. Vor allem: Kino kann das. Geschichten aus dem wahren Leben „verbessert“ egal in welchem Sinne, darzustellen. Was Hirschbiegel macht, geht nach hinten los.

PD: Der bessere Diana-Film wurde ja auch offenbar schon gedreht. „The Queen“ thematisiert das mediale Bild und das reale Bild von Diana (und eben von den Royals generell) sehr eindringlich und auf spannende Weise. Bei Hirschbiegel frage ich mich, was genau seine Motivation war, sich so uninteressiert zu geben. Genauso gut, hätte das als YouTube-Clipshow präsentiert werden können, mit einer Laiendarstellerin. Derart schlecht ist das Drehbuch.

Deshalb konzentrierte ich mich während des Films dann auch schon mehr auf Nebensächliches. Etwa dass Naomi Watts mit Langhaarperücke plötzlich wie Nicole Kidman aussah.

YP: Oder Liz Taylor. Sie sah eher wie sie aus.

PD: Ich musste eher an die Kidman denken und vor allem, dass die demnächst in „Grace of Monaco“ in der Titelrolle zu sehen sein wird.

YP: Ach, wie furchtbar! Wobei ich während ich die Kritik zu „Diana“ geschrieben habe, auch die ganze Zeit an Frears „The Queen“ denken musste und wie viel besser es doch ist, wenn man manch Thematik im Hintergrund lässt. Frears hatte in seinem Film auch eine größere Herausforderung zu bewältigen. Seine Figruen basierten auf Vorlagen, die allesamt noch am Leben sind. Trotzdem gelang es – auch dank des großartigen Drehbuchs – eine tolle Kinogeschichte zu zeigen. Ein Vergleich war für mich bei „The Queen“ irrelevant, weil das, was gezeigt wurde, einfach funktionierte. Bei „Diana“ liegt es dann näher, Vergleiche zu ziehen, weil das auf der Leinwand Gezeigte auch so lückenhaft ist.

PD: „The Queen“ muss ja beinahe automatisch als Vergleichsmaterial herhalten, da es sonst kaum brauchbare Arbeiten zu dem Thema gibt. Es sei denn, man zählt billige Dokudramen vom ZDF etc. dazu. Mich störte ja auch die Art und Weise, wie Hirschbiegel die Paparazzi und den Medienzirkus darstellte. Er schwankte so zwischen herber Kritik und platter Komik. Da wurde viel Potential hergeschenkt. Anzudeuten, dass Diana eventuell selbst für den ganzen Zirkus verantwortlich war (um ihren geliebten Doktor wieder zu erobern), ist zwar interessant, aber nicht wirklich gut durchdacht. Sollte es sich wirklich so abgespielt haben, dann hätte man den Film auch eher darauf fokussieren können. So bleibt es wieder, wie ein Gerücht in der Luft hängen, nach dem Motto: „Kann sein, muss nicht.“

Dann wieder gibt es Szenen, wie jene bei der Minenentschärfung. Wenn die Fotografenmeute gelangweilt zusieht, wie Diana über das Feld geht und erst die Apparate zückt, als es heißt, dass man dabei auch sterben kann. Das ist platte Komik, schlicht und ergreifend, um das Publikum zu einem Lacher zu bewegen. Für eine kritische Beobachtung braucht man mehr als einen nicht mehr ganz so frischen Gag.

YP: Mein neuer Zugang zu Filmen ist: Es ist Fiktion. Manchmal vergesse ich überhaupt darauf, dass die Geschichte auf wahren Tatsachen beruht, wie zB auch bei Scorseses „The Wolf of Wall Street“. Es ist mir einfach egal, wenn und weil die in sich geschlossene Narration tadellos funktioniert. Weiteres funktionierendes Beispiel: „12 Years a Slave“. Wo es dann wieder nicht so 100%ig funktioniert hat: „The Butler“. Da hapert es an so Manchem, und am Ende schweift es oft in den Kitsch ab.

PD: Genau das ist ja das Problem bei „Diana“. Hier wurde ein gewisser Zeitabschnitt gewählt und dann lückenhaft und in Vignetten dargestellt, der an eine Gerüchtesammlung aus einem Boulevard-Magazin erinnerte. Es wurden nicht nur keine ansprechenden Zugänge zu dem Thema gefunden (weder funktioniert es als Medien“satire“ noch als Melodram) und schon gar nicht wurde eine innere Struktur aufgebaut. Es springt von einem Ereignis zum nächsten.

YP: Und der Film ist sensationsgeil! Das hat dann immer einen etwas fragwürdigen Beigeschmack. Wobei, den Film hätte man trotz Sensationsgeilheit so anlegen können. Dafür dann Dianas Charakter privater ausarbeiten, im Sinne einer Charakterstudie.

PD: Wäre gar kein Problem gewesen, hätte Hirschbiegel einen rein auf Sensationen aufgebauten Film gedreht, aber es passt ja nichts zusammen. Die Liebesaffäre zwischen Dr. Khan und Diana schwankt immer zwischen Sensationsmasche und intimem Melodram. Das mag zwar ein Problem in der Realität gewesen sein, aber dieser Konflikt wird nicht hinreichend dargestellt. Viel mehr beginnt man sich über die Art und Weise des Films und nicht über die Probleme der beiden Charaktere im Film zu interessieren.

YP: Für mich war das eine unglaubwürdige und schwache Liebesgeschichte. Wenn ich das den Figuren nicht abkaufe, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen, dann ist das Problem weitaus größer. Dann kann ich Entwicklungen nicht nachvollziehen und der gesamte Verlauf leidet darunter. Und ihm habe ich es nicht abgekauft. Wobei das bei Diana noch streitbar ist. Es war aber nicht charmant, was sie nicht alles für ihn tat, sondern im Grunde Teenager-Schwärmerei und unglaubwürdig obendrein. Mag die wahre Diana noch so naiv gewesen sein.

PD: Wenn der Film schon „Diana“ heißt, wird natürlich der Fokus eher auf Naomi Watts als Diana liegen. So bekam Andrews kaum Szenen um eine eigene Persönlichkeit aufzubauen. Er war entweder der fleißige Doktor, oder der herum keifende Liebhaber der mit der Beziehung wie sie ist, nicht klar kommt. Sollte Diana wirklich so ein naives Ding gewesen sein, und so kommt sie zumindest im Film rüber, dann schön. Darüber habe ich mir kaum Gedanken gemacht, da ihr filmisches Bild ohnehin so unglaublich zerrissen war, zwischen gerissener Medienmanipulatorin und einer Frau die kaum ein eigenes Leben führen kann.

YP: Aber der Film deutet doch an, dass sie die Medien sehr wohl in der Hand gehabt hat!

PD: Es gibt die eine oder andere Szene, in der Diana als gerissene Medienmanipulatorin gezeigt wird, aber wie ihr das Geschehen aus der Hand gleitet, wird gar nicht thematisiert.

Mir ist ja Naveen Andrews (spätestens seit „Lost“) sympathisch, aber ein besserer Schauspieler hätte wohl noch ein wenig mehr aus dem Charakter herausgeholt. Auch hier wurden aber wieder Chancen liegen gelassen. Wenn Dr. Khan mit seinem Onkel(?) darüber spricht, ob Diana von der Familie akzeptiert wurde, dann dreht sich das Gespräch auch kurz darüber, wie wichtig es für die islamische Welt wäre, wenn er Diana heiratet. Ein Nebensatz, der einfach so hinein geworfen und nie wieder weiter thematisiert wird. Stattdessen bekommen wir ein Treffen im nächtlichen Park und (erneut) einen Heulkrampf von Diana.

YP: Vorsicht, Spoiler!

PD: Spoiler: Diana stirbt am Schluss.

YP: Findest du es von Vorteil, wenn dir die Opening Credits eines Films mitteilen, dass es sich um ein auf wahren Begebenheiten basierendes Werk handelt. Wenn du diese Tatsache nicht schon im Vorhinein weißt. Ich gehe davon aus, dass du dir selten Filme ansiehst, wo du solche Infos noch nicht hast. Bei mir ist das meistens so. Manchmal wünschte ich, es würde nicht stehen, weil es ist in erster Linie NUR EIN FILM.

Dieses Lechzen nach Wahrheit!

PD: Hin und wieder habe ich das Gefühl, dass diese Anmerkung, ob vor oder nach dem Film, wie ein Freibrief wirkt, um auch noch die unglaubwürdigste oder aber auch schematischste Handlung zu rechtfertigen. Mir fiel das vor allem einst bei „Monster“ mit Charlize Theron auf, als ich bei einer Diskussion mit Freunden ein paar negative Aspekte anmerkte. Mir wurde stets ein „Das ist aber wirklich passiert“ entgegen geworfen. Diese Mentalität ist problematisch.

Ansonsten kann das schon auf einer wahren Begebenheit basieren, solange der Film gut gemacht ist, ist mir das egal. Im besten Fall beginne ich über die Hintergründe zu recherchieren. Wie etwa jetzt bei „12 Years a Slave“ oder „The Wolf of Wall Street“ oder gar bei „Pain & Gain“.

YP: Das erklärt oft meine Liebe zu Action-Filmen, Sci-Fi-Dramen, Horrorfilme usw. Wobei bei Letzterem das auch oft verwendet wird, meistens dann als Gag. Etwas zum Schmunzeln. Oft fühle ich mich von Filmen, die Anspruch auf Wahrheiten und Gegebenheiten haben, betrogen.

PD: Warum betrogen?

YP: Weil es NUR EIN FILM ist.

PD: Der eben auf einer wahren Begebenheit „basiert“.

YP: Es ist (mir) egal. Bei einem Roman frage ich mich das auch nicht. Nehmen wir Nabokovs „Lolita“ oder Romane und Erzählungen von Murakami. Jeder der schreibt, weiß doch, wie viel Tatsächliches, wirklich Erlebtes, in das Geschriebene reinfließt. Der Film verwendet es als Titel, ein Roman wirkt dann ganz anders, wenn er die Info vorausschickt.

PD: Ein Roman hat eventuell den Vorteil, durch einen längeren Einleitungstext darzulegen, dass es zwar auf einer wahren Begebenheit basiert, sich aber enorme Freiheiten heraus nimmt. Ein Film, doch ein visuelles Medium, kann „nur“ über Stilmittel vermitteln, dass Freiheiten heraus genommen wurden und im besten Fall wird dann gar nicht darauf hingewiesen, dass es eine wahre Geschichte ist, die erzählt wird.

Wobei es natürlich auch auf die Thematik ankommt. Bei „12 Years a Slave“ war es geradezu notwendig, da ja ein bestimmtes Buch adaptiert wurde, welches wieder die Abschrift eines Gesprächs zwischen Solomon Northup und einem Journalisten war.

YP: Es verändert die Rezeption von Grund auf und gänzlich.

PD: Das kommt doch auch auf die Qualität des Gezeigten an. Bei „Diana“ war mir zwar bewusst, dass hier eine „wahre Geschichte“ erzählt wird, aber nach dem Ende dieses schlechten Filmes, war mir völlig egal, worum es eigentlich ging. Ganz anders bei Filmen von hoher Qualität, da beginne ich über die Hintergründe nachzudenken und zu recherchieren. Das unterscheidet sich dann nicht grundsätzlich von „erfundenen“ guten Geschichten.

YP: Manchmal sind mir diese erfundenen Geschichten lieber. Das ist dann aber Geschmacksache!

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