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Gewöhnlich kann man über Actionfilme mit Jason Statham in der Hauptrolle hinweg sehen. Doch der mit James Franco, Kate Bosworth und Winona Ryder in den Nebenrollen interessant besetzte Thriller, nach einem Drehbuch von Sylvester Stallone, sprang uns ins Auge. Was machte diesen Film so reizvoll und worin liegen die Stärken und die Schwächen des zeitgenössischen Actionkinos?

Im folgenden Dialog kommt ein Spoiler vor.

 

YP: Glaubst du, hätte Broker (Jason Statham) einen Filmsohn gehabt, wäre dieser auch entführt worden?

PD: Ich bin mir sogar sicher, dass auch ein Filmsohn entführt worden wäre. Das Kind war in diesem Fall schlicht und ergreifend nur ein Mittel zum Zweck, um den liebenden Vater zu zeigen und die Bösen noch böser zu machen. Das hat mich schon sehr an Schwarzenegger/Dudikoff/Stallone-Filme aus den 1980ern erinnert.

YP: Mein Problem mit dem Film ist, der Plot ist in einem anderen Jahrzeht steckengeblieben. Wie du schon schreibst, das hätte in den Achtzigerjahren genauso funktioniert. Nun wissen wir ja, dass Sylvester Stallone das Drehbuch adaptiert hat. Bloß frage ich mich, ist es so unmöglich, sich mal neue modernere Storylines auszudenken. Es ist frustrierend, dass du im modernen Actionkino dasselbe geliefert bekommst und das seit 34 Jahren. Mal schlechteren, mal besseren, dennoch Schmarrn.

PD: Darin liegt auch der Reiz von „Homefront“. Es ist ein Achtzigerjahre-Reißer, in Szene gesetzt mit Stars und Sternchen des zeitgenössischen Kinos. Wirklich interessant ist hier die Meta-Ebene für den interessierten Zuseher. James Francos Auftritt als Bösewicht Gator Bodine ist einfach herrlich überzogen, genauso wie Kate Bosworth und Winona Ryder als überzeichnete White-Trash-Frauen, während Statham das macht, was er kann. Den stoischen Actionhelden.

Das ist biederste Routine, aber zugleich doch eine Spur spannender denn das sonst übliche Actionkino der Marke „G.I. Joe“, wo du von Bombast erschlagen wirst. Inhaltlich ist das alles unglaublich öde, der Reiz liegt in dem zurückgenommenen Einsatz von Actionsequenzen und dem Casting.

YP: Bevor ich mir diesen Film angesehen habe, lag die Frage im Raum: „Wo ist es denn hin, das Actionkino“. Das Kino, jenseits der Remakes, Reboots („Total Recall“, „RoboCop“) usw.
Nach dem Film, war ich überrascht, welch solider Streifen „Homefront“ eigentlich ist. Was mir etwas gefehlt hat, war der Humor. Der Film besitzt keinen. Manch witziger Moment ergibt sich aus grotesken Situationen, aber viel zu lachen gibt es im Film nicht. Und Jason Statham liefert. Interessanter war für mich dann eher die Figur von Franco, oder sogar die Bosworths oder Ryders.

PD: Ryder und Bosworth waren wirklich überraschend gut. Das hatte ich mir, zumindest von Bosworth, nicht erwartet. Franco hat schon einen sehr eigenwilligen Humor eingebracht aber so wirklich lustig war das nicht.

Zu lachen gibt es im Actionkino ja genug, wenn man sich Filme wie „The Expendables“, „Machete“ oder „The Last Stand“ oder andere Retro-Streifen ansieht, die ihre Daseinsberechtigung daraus ziehen, dass sie ein wissendes Publikum daran erinnern, was einmal war und wie das Genre damals funktionierte. Selbst Bruce Willis-Filme wie „R.E.D.“ sind Komödie mit ein wenig Action garniert. Die von dir erwähnten Remakes und Franchises sind dafür unglaublich austauschbar.

YP: Ich meinte nicht das Actionkino an sich. Eher „Homefront“ im Besonderen. Da gab es nicht all zu viele Lach-Momente und meistens war James Franco darin involviert, der die Rolle auch so ausgelegt hat. Ihm hat das sichtlich Spaß gemacht und die anderen haben ihre Rollen wohl zu ernst genommen.

PD: Dieser Film ruft auch eher das Actionkino in Erinnerung, welches eher unbewusst für Lacher sorgte.  Wahrscheinlich war für Franco genau da der Reiz, in einem sich selbst sehr ernst nehmenden, geradezu nostalgisch wirkenden Actionfilm, mitzuwirken und dabei seine ganz eigene Note einzubringen.

YP: Die Besetzung ist ein großes Plus in „Homefront“, den Protagonisten mal beiseite lassend. Was gibt es eigentlich Positives an Jason Statham zu sagen? Dass er hier ein wenig mehr gefordert wurde. „Homefront“ ist nicht die typische Statham-Action, die allerdings wahrscheinlich und hauptsächlich nur seine Hardcore-Action-Fanbase anlocken wird. Was eigentlich schade ist, weil ich diese Arbeit ganz gelungen finde. Manche wird wohl Stathams Image ein wenig abschrecken.

PD: Statham kann man gar nicht groß kritisieren, aber ich wüsste jetzt auch nicht was ich an seiner Performance loben soll. Es ist eine solide Leistung, in der er genau zur richtigen Zeit seine Haudraufqualitäten zeigt. Für Freunde von Filmen, die einfach nur eine Actionszene nach der anderen sehen wollen, ist „Homefront“ womöglich auch „zu langsam“. Gerade das gefiel mir wieder. Dass es nicht ein Showdown nach dem anderen war.

Das Drehbuch von Stallone fand ich weniger gelungen. Wie du schon erwähntest, die Handlung ist einfach dasselbe wie wir es seit Jahrzehnten vorgesetzt bekommen.

YP: Und ich habe mir gerade gedacht, ohne die vielen Actionszenen würde der Film genauso funktionieren.

PD: Sicher würde er funktionieren, aber worin würde dann die ganze aufgeladene Spannung münden? Das hatte wieder etwas von „Straw Dogs“. Es muss zumindest eine „Entladung“ in Form einer Actionszene geben.

YP: Ich sage ja nicht alle Actionszenen. Aber drei weniger hätte dem Film nicht geschadet.

PD: Ja, etwas weniger hätte dem Film sicher nicht geschadet.

YP: Eine abschließende Anmerkung meinerseits noch: Vor 30 Jahren hätte Stallone genau dasselbe aus dem Stoff gemacht. Es wäre derselbe Film geworden.

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