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Nach diesem Film wird Matthew McConaughey der Welt nicht mehr beweisen müssen, dass er ein ernst zunehmender und wandelbarer Schauspieler ist. Konnte er bereits in Filmen wie „Mud“, „Killer Joe“ und „Bernie“ mehr als überzeugen, ist er mit dem Oscar-nominierten Drama „Dallas Buyers Club“ nun auch im Mainstream angekommen.

PD: Mir scheint, ich bin in der Minderheit, wenn ich sage, dass mir „Dallas Buyers Club“ nicht so sehr imponiert hat, wie er mir laut Medien hätte sollen.

YP: Nein, bist du bestimmt nicht. Mich hat der Film stellenweise sogar gelangweilt. Das lag aber eher am etwas zu inkonsistenten Drehbuch.

PD: So schlimm war es nicht, aber ein paar Kürzungen hätte ich durchaus gerne gesehen.

YP: Nichtsdestotrotz bekommen wir zwei eindrucksvolle Leistungen von zwei meiner Meinung nach viel zu wenig beachteten Schauspielern geboten.

PD: Genau dasselbe habe ich mir auch gedacht. Bei all den Mängeln die der Film aufweist, waren die Leistungen von McConaughey und Jared Leto beeindruckend und überstrahlten den gesamten Film.

Die Liebesgeschichte zwischen Ron Woodroof und der Ärztin aus dem Krankenhaus (Jennifer Garner) hätte ich allerdings komplett raus gestrichen. Zumindest diese angedeutete Liebegeschichte.

YP: Da wurde was angedeutet? Das habe ich eher als Beginn einer aufkeimenden Freundschaft empfunden und nicht viel von Liebe und Verliebtheit herausgelesen. So wie Ron das angeht, sind das doch nur die Überbleibsel seiner Zeit als Cowboy und Weiberheld.

PD: Die Inszenierung beim Dinner mit Kerzenlicht war mir zu sehr in Richtung „Romanze“ gedreht.

YP: Nein, so habe ich das nicht empfunden. Das Geschenk, das er ihr mitgenommen hat, war eine schöne Geste. Schön allerdings, wenn auch etwas zu plakativ, war die Freundschaft, die sich dann zwischen den Figuren von Ron und Rayon entwickelt hat.

PD: Diese Freundschaft hatte etwas von „The Odd Couple“. Eine klassische „Hassliebe“-Geschichte, die von McConaughey und Leto toll gespielt wurde. Mir war das auch gar nicht zu plakativ, denn McConaughey hat sich nur ganz langsam dem Charakter von Leto (Rayon) geöffnet. Das Intimste war dann eine Umarmung. Viel weiter ging das nicht.

Unangenehm fand ich den simplen Aufbau. Der kleine Außenseiter (Woodroof) gegen die großen bösen Institutionen (FDA, Krankenhäuser, etc.).

YP: David gegen Goliath. Ganz im Sinne von „Erin Brockovich“. „Dallas Buyers Club“ ist auch einer dieser Filme. Wobei dann „Brockovich“ von Soderbergh dann doch etwas spannender in Szene gesetzt wurde.

PD: Oh weh, „Erin Brockovich“ ist so ziemlich der einzige Film des von mir geschätzten Soderbergh, den ich nicht aushalte. Im selben Jahr hatte er auch „Traffic“ am Start und im Vergleich kann da „Erin Brokovich“ nur verlieren.

YP: „Erin Brokovich“ ist ein sympathischer Film. Du wirst dich jetzt bestimmt wieder aufregen, „Traffic“ fand ich langweilig. Ist aber auch schon ewig her, dass ich beide gesehen habe.

PD: „Traffic“ genieße ich immer wieder. Eine Art Doku-Thriller, noch dazu mit diesen aus dem Dogma-Katalog geborgten Stilmitteln.

YP: „Dallas Buyers Club“ hatte stets Probleme damit, eine Erzähllinie zu finden. Der Film wusste stets nicht so recht, in welche Richtung es gehen soll. Erst ab dem 2. Drittel ging es etwas linearer, dafür musste es Längen in Kauf nehmen. Es war ein Hin und Her: Soll Rons persönliche Geschichte erzählt werden? Oder doch lieber auf das Umfeld eingehen? Oder doch die Entrepreneur-Story ausbauen? Die Gewichtung auf die Freundschaft mit Rayon legen? Einen Generalsündenbock suchen usw.

PD: Die Geschichte hatte wirklich einen eigenartigen Rhythmus, was mir am Anfang gefiel. Den Fokus zunächst auf Woodroof und seinem persönlichen Umgang mit der Krankheit und der Beschaffung von Medikamenten zu belassen, hat mir gefallen. Sobald es sich zu einer „Einer gegen Alle“-Geschichte wandelte, hat am Ende nur mehr die Gerichtsszene gefehlt. Glücklicherweise wurde diese recht kurz belassen. Indem man die wahre Geschichte von Ron Woodroof erzählen wollte, hat sich Regisseur Jean-Marc Vallée ein wenig eingeschränkt.

YP: Die erste Frage, die mir – nachdem ich den Film gesehen hatte – durch den Kopf ging, war: War er die ganze Zeit enthaltsam? Wo war seine Libido hin? Kein Sex als AIDS-Kranker? Bis auf diese eine Ausnahme. Das ist für mich schwer vorstellbar und unglaubwürdig dargestellt worden.

PD: Ich habe das so interpretiert, dass er enthaltsam lebte. Schließlich hatte er nur ein einziges Mal Sex mit einer anderen an AIDS erkrankten Frau, die mal in seinem Büro auftaucht. Ansonsten sieht man auf der Leinwand nichts dazu.

Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass seine aggressive Homophobie sich dadurch erklärt, dass er in Wirklichkeit Bi gewesen wäre.

YP: Ich muss sagen, ich habe Jared Letos Rayon-Figur fast genauso, wenn nicht sogar mehr, genossen wie McConaugheys Ron.

PD: Es wird sehr viel über McConaugheys Wandlung geschrieben, auch zu Recht. „Dallas Buyers Club“ ist der wohl populärste Beleg dafür, dass aus dem Darsteller seichter Komödien und Actionfilme („Sahara“!) ein ernst zu nehmender Charakterdarsteller wurde. Leto musste diese Wandlung niemals durchleben, sondern sich einfach einmal dazu bequemen, sein offensichtliches Talent in einem etwas populäreren Film einzusetzen.

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