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Alexander Payne behandelt in seinen Filmen, die auch immer Roadmovies sind, am liebsten Themen wie persönliche Entfremdung und familiären Zusammenhalt. Dabei sucht und findet er stets das Außergewöhnliche im ordinären (gewöhnlichen) Lebensalltag kleiner Leute. Im Folgenden wird „Nebraska“, sein neuester Kinofilm, besprochen.

YP: Ehrlich gesagt war ich überrascht, wie gut mir „Nebraska“ gefallen hat. Diese bitterböse Komödie, die zum Nachdenken anregt. Nicht, dass ich einen mittelmäßigen Film erwartet hätte, nur eben keinen dermaßen so guten!

PD: Komisch, denn bei allen Filmen von Alexander Payne, die ich bislang sah, ist das jener, der mir bislang am wenigsten gefiel.

YP: Die Familiensituation, was man selber erreicht hat, was man falsch gemacht hat, was man seinen Kindern mitgeben möchte. Persönliche Werte wurden vermittelt, usw. Ich habe das einfach genossen, weil es auf universtelle menschliche Fragen eingeht.

PD: Interessant. Ich sah einen Film, der sehr vorhersebar Konflikte auftürmte und sich schlicht auf das gute Spiel seiner Darsteller verließ. Vor allem Bruce Dern als Woody und June Squibb als seine Frau haben viel gerettet.

YP: Wie man sich auf eine Reise begibt, denn eigentlich ist das ein Roadmovie, um etwas zu finden und dabei findet man sich selbst. Das ist etwas salopp gesagt, aber für mich war das sehr gelungen. Und eben voller bitterbösem Humor, in Form der Mutter, in Form der Cousins, der vermeintlichen Freunde aus der Vergangenheit. Alleine die Szene mit der Scheune und dem Kompressor, das ist doch die beste Szene am Film gewesen. So leichtfüßig, sich selbst nicht so ernst nehmend.

PD: Die beste Szene des Films war für mich das Familientreffen, mit Woodys Brüdern, die allesamt starr vor dem Fernseher sitzen und sich anschweigen. Kaum ein Wort wird gewechselt und was gesagt wird ist so dermaßen banal, dass es kaum der Rede wert erscheint. Diese Konstellation fand ich unglaublich komisch und berührend, denn derartige Situationen haben sicher viele in der eigenen Familie schon erlebt.

YP: Eben!

PD: Ja, eine schöne Szene. Eine. Der Rest der Erzählung folgt ausgetretenen Pfaden. Die Annäherung zwischen Woody und David hätte am Ende nur noch die große Aussprache benötigt, die erspart Payne uns – ganz entgegen seiner üblichen Gewohnheiten – zum Glück. Wobei die Aussprache ja schon vorhanden ist, nur etwas leiser.

YP: Ich habe die ganze Zeit Situationen und Gespräche nachempfinden können. Meine Eltern sind noch jung, aber was ich bei den Großeltern gesehen habe. Hierin bestand viel Indentifikationspotential für mich, was den Film dann auf eine weitere Ebene für mich brachte. Und das mit der Ausprache: nicht notwendig! In vielen Situation lässt man das eben gut sein, in einem anderen Hollywood-Film wäre das vielleicht vorgekommen, hier aber wissen wir, das ist irrelevant. Familie ist Familie. Alles Gute und alles Böse kommt oft aus dem Elternhaus. Das finde ich so zutreffend und feinfühlig inszeniert.

Auch noch etwas zum Format: In Farbe wäre das ein Sozialdrama geworden, in Schwarzweiß bekommt das noch einmal eine ganz neue Dimension.

PD: Der Film wurde aber auch in Farbe gedreht.

Payne war vertraglich dazu gezwungen den Film für einige Märkte (ich weiß nicht mehr welche) in Farbe zu drehen. Digital hat er dann sein gewünschtes Schwarzweiß eingesetzt.

YP: Digital und bearbeitet. Eine gute Entscheidung war das.

PD: Ich frag mich nur, welche Länder unbedingt auf Farbfilm bestehen?

Die Entscheidung in Schwarzweiß zu drehen, ist ja ganz gut gewählt. Der Ort verlangt regelrecht danach. Ob das ein Sozialdrama geworden wäre, weiß ich aber nicht.

YP: Wenn du dir überlegst, durch welche Gegenden sie ihr Roadtrip führt. Steppe, Wüste, Eintönigkeit, Ebene, Trockenheit, Tristesse.

PD: „The Straight Story“ hat einen sehr ähnlichen Film in wunderschönen Farben gedreht. Der positivste Film von David Lynch.

YP: Und wie sie da vor dem Mount Rushmore stehen und Woody einfach sagt: Wir habens gesehen, fahren wir wieder! Das ist auch so großartig. Natürlich geht das mit den Farben auch anders, hier passt mir Schwarzweiß einfach gut.

PD: Was die „ausgebliebene“ Aussprache angeht. Die gibt es ja sehr wohl, vor der Bar in der sie Ed Pegram (Stacy Keach) zum letzten Mal begegneten, sprechen David (Will Forte) und Woody miteinander, was denn der Grund für diese Reise sei, nur ist Woody nicht mehr in der Lage, darauf zu antworten.

Üblich ist in Payne-Filmen ja die große Rede, wie sie Jack Nicholson in „About Schmidt“, George Clooney in „The Descendants“  und beide Hauptdarsteller in „Sideways“ hatten.

Mir gefällt der Film in Schwarzweiß auch gut. Es ist ja nicht so dass ich den Film überhaupt nicht leiden konnte, aber es war auf hohem Niveau eine kleine Enttäuschung.

YP: Wie fandest du die Rolle der nicht auf den Mund gefallenen Mutter? Die war doch forsch und erfrischend?

PD: Die Szene vor Mount Rushmore lebt, wie so viele andere Szenen auch, von der tollen zurückhaltenden Darstellung von Bruce Dern. Wenn er etwa im Schlafzimmer seiner Eltern steht, und über die Prügel spricht, die er erhalten hat. Er braucht nur einen Satz und drückt den Rest über seine Mimik und Körpersprache aus. Darstellerisch ist das ganz groß.

YP: Aber nicht nur Dern, das gesamte Ensemble hat sich gut in den Film eingefügt, bis zum kleinsten Nebendarsteller.

PD: Es war schön June Squibb wieder zu sehen. Nach ihrem Auftritt in „About Schmidt“ hatte ich sie ja wieder komplett vergessen. Ihre Rolle hat sie auch toll gespielt, auch wenn ich mir nicht sicher war, wie viel Bosheit Woody noch ertragen würde.

Na ja, der Rest des Ensembles war ganz okay. Es wurde ja nicht viel verlangt. Die Hauptlast trugen Dern und Squibb. Will Forte hat auch ganz passabel gespielt.

YP: Ich fand Will Forte besser als nur passabel.Meine liebsten Filme von Payne sind nun „Nebraska“ und „About Schmidt“. „The Decendants“ mit George Clooney mochte ich nicht, weil George Clooney da einfach nicht hineinpasste.

PD: „Sideways“ ist sein Meisterwerk. Der ist stimmig inszeniert. „Election“ hat mir auch gefallen, allerdings habe ich den seit Jahren nicht mehr gesehen.

YP: Ich bin überrascht, dass du dem Film gegenüber dermaßen verhalten bist.

PD: Ich fand „Nebraska“ amüsant, aber abgesehen von ein paar Szenen und den beiden tollen Darstellern gab es da nicht viel, was ich mitnahm.

Bei Payne ist das Jammern auf hohem Niveau.

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