Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , ,

„A Long Way Down“ ist nach „Fever Pitch“ (1997 und 2005), „High Fidelity“ (2000) und „About a Boy“ (2002) nun die vierte filmische Adaption eines Nick-Hornby-Romans. Und wo Nick Hornby draufsteht, erwartet man sich unter anderem eine bitterböse Komödie mit tragischen Elementen oder eine bitterböse Tragödie mit komischen Elementen. Folgend wollen wir erläutern, welcher dieser Filme den Vorlagen gerecht wird oder nicht.

PD: Was hast du zuerst entdeckt? Nick-Hornby-Romane oder Nick-Hornby-Adaptionen?

YP: Das muss ziemlich zeitgleich passiert sein. Insofern zeitgleich, als ich es gar nicht einordnen kann. Kann aber sein, dass ich Anfang 2000 „High Fidelity“ gesehen habe, dann gelesen. Dann kam „About A Boy“. Und damals habe ich auch „Fever Pitch“ gelesen und „How to be good“, noch ein Lesebuch („Mein Leben als Leser“). Das war eine kurze Phase.

PD: Bei mir war es zunächst die von Stephen Frears inszenierte Adaption von „High Fidelity“ die mich auf Hornby aufmerksam machte. Durch den Film bin ich zum Roman „Fever Pitch“ gekommen, der mich als Fußball-Fan natürlich sofort gefesselt hat. Danach kam der Film mit Colin Firth und so weiter.

YP: Wie viele Nick Hornby-Bücher hast du gelesen?

PD: Gelesen habe ich „Fever Pitch“ mehrmals, aber von seinen anderen Büchern sind mir bislang nur „High Fidelity“ und „31 Songs“ untergekommen.

YP: Es ist spurlos an mir vorbeigegangen, dass Hornby das Drehbuch zu „An Education“ geschrieben hat.

PD: Das ist mir sehr bewusst gewesen und war ehrlich gesagt der Grund, weshalb ich überhaupt ein Interesse an diesem Film entwickelte.
Wirklich in meinem Unterbewusstsein festgesetzt hat sich der Name Hornby allerdings erst mit dem Film „About a Boy“. Dabei ist es noch nicht einmal die beste der Adaptionen.

YP: „About a Boy“ hat aber so einen unglaublichen Charme, den der Film seinen beiden Hauptdarstellern Hugh Grant und Nicholas Hoult zu verdanken hat. Vor allem Grant schafft den Spagat zwischen komischer und irgendwie doch tragischer Figur – der einsame End-Dreißiger ohne Ziel vor Augen, dessen geregelter Tagesablauf aus Fernsehen besteht.

PD: Das ist aber auch der zentrale Charakter, wie wir ihn in „Fever Pitch“, „High Fidelity“ und „About a Boy“ kennen lernen. Hornby hat hier den Typ Mann nachempfunden, der es noch nicht geschafft hat, erwachsen zu sein. Rob (John Cusack) ist in „High Fidelity“ doch auch auf seine Weise ohne jede Zukunftsperspektive und Paul (Colin Firth) lebt in „Fever Pitch“ nur nach Saisonplänen. Große Kinder, wie wir sie später in Judd Apatow-Filmen zu sehen bekommen.

YP: Die neue Adaption „A Long Way Down“ bleibt allerdings hinter meinen Erwartungen zurück. Für mich funktioniert dieses Figur-Gefüge nicht. Außerdem mangelt es dem Film an Humor. Ein Problem für mich: Wenn die Figuren über etwas lachen, worüber ich nicht lachen kann. Oder nur lachen, um zu lachen obwohl nichts lustig war.

PD: Was mich zunächst daran interessierte war, dass mit „A Long Way Down“, oberflächlich betrachtet, das typische Gefüge der Hornby-Geschichten durchbrochen wurde. Hier ging es nicht um das erwachsene Kind und die Frau die ihn zu einer reiferen Person werden lässt.

Da ich den Roman (noch) nicht gelesen habe, kann ich auch nicht sagen, ob es nicht auch ein Problem der Handlung ist, aber so wie Pascal Chaumeil sie inszeniert, bleibt alles sehr flach, sehr unentschlossen und auch wenig unterhaltsam. Das überträgt sich auch auf die Darsteller, die allesamt in ihrer „Komfortzone“ bleiben. Weder Pierce Brosnan, noch Toni Collette noch Aaron Paul oder Imogen Poots sind gefordert.

YP: Auch wenn sie mir gut in diesen Rollen gefallen, alle vier passen und spielen nicht schlecht, aber auch nicht um ihr Leben, eigentlich um gar nichts. Für mich ist ihre Motivation nicht nachzuvollziehen, so bleibt es mehr ein Großstadtmärchen als zugängliches Großstadtdrama.

PD: Genau darin liegt mein Problem. Sie scheinen allesamt zu wissen, dass sie in diese Charaktere hinein passen und entsprechend spielen sie es. Allesamt bleiben oberflächlich und leicht identifizierbar. So sehr, dass man am Ende des Films keinen Charakter beim Namen kennt, sondern sich nur an den oder die Darsteller erinnert.

Bei Toni Collette etwa, habe ich das Gefühl, sie schon dutzende Male in der Rolle der vom Leben gemarterten unscheinbaren Mutter gesehen zu haben, siehe: „The Sixth Sense“ oder „About a Boy“.

YP: Toni Collette und Pierce Brosnan werden aber auch nicht mehr die große Rollenauswahl vorgesetzt bekommen. Beide hatten früher bessere Jobaussichten. Allerdings, woran ich mich nicht so sehr störe, eher was mir in „A Long Way Down“ immens fehlt, ist dieser Hornby-Humor, der sich sowohl in „Fever Pitch“ als auch in „High Fidelity“ und „About a Boy“ zeigt. Nachdem ich die Vorlage nicht kenne, kann ich nicht sagen, ob es nur an der Verfilmung liegt.

PD: Ja, der Humor fehlt völlig. Anfangs lächelt man noch über die Zusammenkunft der vier Selbstmörder, aber dann ergeht sich die Handlung in vielen kleinen persönlichen Dramen, die dem ganzen Film seinen Charme nimmt.

„Fever Pitch“ wieder hat auch seine dramatischen Momente, aber der funktioniert als romantische Komödie ganz ordentlich, auch wenn der Charme des Buches kaum hinüber zu retten war.

YP: Dramatische Momente haben die anderen Filme auch, davon zu Genüge. In „High Fidelity“ haben wir den Tod von Lauras (Iben Hjejle) Vater und das Begräbnis. In „About a Boy“ den Selbstmordversuch von Fiona (Toni Collette). Wenn du an das Gespräch danach zwischen Marcus (Nicholas Hoult) und Fiona denkst, das ist zwar traurig, aber auch furchtbar witzig.

PD: Ja, in diesen beiden Filmen funktioniert die Balance aus Tragik und Humor einfach viel besser. Das mag auch an den Darstellern liegen, die auch mit mehr Einsatz agieren. Sowohl John Cusack als auch Hugh Grant schaffen es, den Zuseher mit in die Handlung hinein zu ziehen. Bei Cusack indem er sich direkt an die Zuseher richtet und bei Grant durch die Voice-Over.

YP: Hier als Beispiel die Szene, wo Fiona (Toni Collette) ins Restaurant stürmt und Will (Hugh Grant) zur Rede stellt.

PD: Das war gleichzeitig lustig und so unglaublich unangenehm. Grants Mimik ist grandios in dieser Szene.

YP: Auch wenn „High Fidelity“ der bessere Film ist, ich mag „About a Boy“ mehr. Der würde meine Nick-Hornby-Adaptionen-Liste anführen.

PD: Schwer zu entscheiden, da ich mit den Gesprächen zwischen Rob und seinen Angestellten und den ewigen Top-5-Listen einfach mehr Spaß habe. Die ganze Abgehobenheit wird auch schön getroffen, wie in dieser Szene etwa.

„Fever Pitch“ ist eine sympathische und sehr freie Adaption, die einfach aufgrund Colin Firths Darstellung viel Charme versprüht, aber im Grunde kein besonders guter Film ist.

YP: Nachdem ich den Roman kenne und schätze, fand ich die Verfilmung etwas glanzlos und sogar ein wenig langweilig.

PD: Bei „About a Boy“ hat mich überrascht, dass die Regisseure von „American Pie“ solch einen herzlichen und intelligenten Film zustande bringen konnten. Das hatte ich den Brüdern Weitz damals nicht zugetraut. Wobei ich auch „American Pie“ damals mochte, aber das war ja doch eher Schenkelklopferhumor.

YP: Teil eins von „American Pie“ hatte als Teenie-Komödie seine Reize. Bei „About a Boy“ sieht man, was mit dem richtigen Drehbuch möglich ist.

PD: Welches sie selbst geschrieben bzw. adaptiert haben. Mir gefällt etwa die Szene in der Marcus die Ente mit dem ganzen Brot „füttern“ wollte.

Das fehlt eben „A Long Way Down“ völlig. Ich könnte mir keine einzige nennenswerte Szene in Erinnerung rufen. Dabei ist da eine sympathische Besetzung am Werk.

YP: Wie gesagt, ich hatte eher das Gefühl da lachen zu müssen, wo die Figuren lachten. Das genügte mir nicht.

PD: Jetzt wo du es erwähnst. Als sie ihren Pakt auf die Rückseite des Abschiedsbriefes von Maureen (Collette) schrieben…das war ein amüsanter Moment, allerdings mehr für die Charaktere und weniger für den Zuseher.

YP: Oder die Tischszenen im Urlaub, da war nichts Lustiges dabei. Ich habe kaum was aus dem Film mitgenommen.

PD: Bei den Szenen im Urlaub musste ich kein einziges Mal lachen. Da war ich furchtbar gelangweilt und hätte mir gerne auch einen Cocktail geholt.

In „Fever Pitch“ lacht man aufgrund der auseinander klaffenden Erwartungshaltungen von Paul und seiner Freundin. Sein Anspruch, die Zeit für seinen Club frei zu halten, während sie mit ihm eine Familie gründen will und überhaupt keinen Zugang zum ganzen Themenkomplex „Fußball“ finden kann. Etwa wenn sie mit ihm in der Stehplatzkurve „gefangen“ ist.

YP: In „Fever Pitch“ ist schon die erste Einstellung witzig, wo die beiden Kinder mit dem Vater beim Essen sind. Dieser einsilbige Dialog.

PD: Die Beziehung zwischen Paul und seinem Vater hat ja auch etwas Bittersüßes. Diese Versuche von ihm, eine Beziehung zu ihm aufzubauen und am Ende gegen die Liebe zu Arsenal eingetauscht zu werden.

Advertisements