YP: Am 16. November haben wir unseren ersten Dialog – zu „Don Jon“ – veröffentlicht. Seit dem jede Woche – bis auf eine kurze Sommerpause – mindestens einen längeren Beitrag, oder zwei bis drei kürzere Beiträge. Zu Beginn hatten die Dialoge einen umfangreicheren Rahmen – wir schreiben fürs Web und müssen uns keine Gedanken über Platz und Zeichen machen. Jetzt legen wir Wert darauf, zumindest unter 1500 Zeichen zu bleiben, weil es einfach sonst inhaltlich ausartet. Ein Jahr lang betreiben wir nun Film im Dialog. Das ist eine interessante Bloggererfahrung, die nicht einreißt, weil ständig neue Impulse kommen, schreiben wir ja zu zweit daran. Ein eigener Filmblog ist in erster Linie etwas Persönliches, zumindest nehme ich mir bei The Female Gaze jede Freiheit heraus – was ich blogge, wie viel ich blogge, wann ich blogge, ob ich blogge. Ein Blog in Dialogform bedarf primär Planung, Struktur, Ordnung, Zeitmanagement. Eigentlich bin ich überrascht, wie leicht Planung und Durchführung vonstattengehen. Die Filmauswahl gelingt schnell und leicht, eigentlich bringen wir nicht einmal alles Geplante unter. Was beim „gewöhnlichen“ Bloggen – also dem Bloggen allein – nicht so schnell passiert, ist der Meinungsrichtungswechsel, eine gewisse Flexibilität der eigenen Subjektivität. Eventuell durch Kommentare anderer, aber da ist das Geschriebene schon in Stein gemeißelt. Im Dialog werden meine eigenen Thesen schneller hinterfragt, was dazu führt, dass ich sie reflektieren muss. In diesem Prozess passiert es nicht selten, dass ich zu neuen Erkenntnissen komme. Das Zweitwichtigste an der Beschäftigung mit Film ist der Austausch mit Gleichgesinnten und Interessierten (Für mich das Wichtigste ist die eigentliche Beschäftigung, Filmschauen als Hobby und Horizonterweiterung). Am einfachsten gelingt der Dialog, wenn unsere Meinungen auseinandergehen oder wenn wir verschiedene Aspekte des Films, die uns am meisten aufgefallen sind bzw. gestört haben, herausheben. Schwer wird es, wenn wir einer Meinung sind, dann hat das Ergebnis schnell etwas von einer Filmbesprechung (Was-Wer-Wo-Wann-Wie-Warum). Und Bloggen hat schnell was Befreiendes. Die Ideen kommen natürlich, wichtig ist einfach nur die Abwechslung bei den Themen. Und dabei wird natürlich auch Tagesaktuelles wie Filmstarts, Award Seasons, Nachwörter usw berücksichtigt. Warum der Austausch auch so gut funktioniert, liegt bestimmt auch daran, dass ich PD und ich mittlerweile schon einige Jahre kennen.  Vielleicht interessiert euch auch, wie die Dialoge zustande kommen: Meistens via Skype. Manchmal per Mail, was natürlich mit längeren Wartezeiten verbunden ist. Oder gleich in WordPress.

PD: Bloggen ist für eine zweischneidige Sache. Meine Versuche selbst einen ansehnlichen Blog mit viel Material zu erstellen, endete bereites einige Male mit der Einstellung des bereits erstellten. Schließlich rief ich Man with Lists ins Leben. Ein Archiv mit monatlichen Updates, welches mich selbst auf dem Laufenden hielt. Das war noch bevor ich Letterboxd entdeckte und heute dient es noch mehr als Sammelpunkt für die Filme und Serien die ich gesehen habe. Diese Struktur (Monat für Monat) gefiel mir auch, als YP die Idee von Film im Dialog an mich heran trug. Woche für Woche ein Gespräch zu aktuellen Filmen, Klassikern oder auch Serien und hin und wieder über ausgewählte Personen. Ein solches System kam gerade mir sehr zu Gute, da ich weder die Zeit noch die Energie habe, um täglich oder stets aktuell mit Beiträgen auf diverse Ereignisse in der Filmbranche zu reagieren. Zu Bedenken gibt jede Woche die Frage nach der Aktualität. Da wir beide keine akkreditierten Journalisten sind und unsere Brotjobs haben, kann ein Film, der am Freitag startet, bei uns erst eine Woche später besprochen werden. Die Möglichkeit einer Pressevorführung fällt weg. Das ist manchmal schade, andererseits begegnet man einigen gehypten Werken bereits mit ein wenig Abstand etwas nüchterner. Der Reiz dieses Formats, und was mich auch sofort davon begeistert hat, war, seine Ansichten zu teilen und sich dabei auch oft gegenseitig in Frage zu stellen, oder neue Facetten zu entdecken, die einem Selbst nicht in den Sinn kamen. Wie bei der Lektüre eines guten Artikels oder Buches, erfährt man Neues. Wenn sich die Ansichten zu sehr überschneiden, kann es etwas Rituelles haben. Was den Austausch von Beginn an jedoch schon sehr einfach gestaltete, war die Tatsache, dass YP und ich uns seit einigen Jahren über Filme unterhalten, diskutieren und gegenseitig Empfehlungen aussprechen. Ich glaube nur unter solchen Voraussetzungen, ein Gegenüber zu haben, dessen Meinung man auch respektiert, ist ein Dialog möglich und auch zielführend.

 

Advertisements