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Nach seiner Oscar-Nominierung für den „Best Foreign Language Film“ für „Bullhead“, feiert Michael R. Roskam sein US-Debüt mit einer Gangstergeschichte in Brooklyn aus der Feder von Dennis Lehane.

Der folgende Dialog enthält Spoiler!

PD: Je länger ich über „The Drop“ nachdenke, desto mehr erinnert er mich an „Killing Them Softly“. Atmosphärisch sehr dicht, aber nicht unbedingt mit der innovativsten Handlung versehen.

YP: Die Stimmung und die fantastisch gespielten Figuren geben hier den Ton an. Der Plot funktioniert, auch wenn – und da stimme ich dir auch zu – nicht die bahnbrechendste Auflösung schlußendlich zum Vorschein kommt. Es ist sogar ein wenig so, dass man eventuell was ahnt. Und trotzdem stört das nicht.

In „Bullhead“ spricht auch die Atmosphäre Bände – auch wenn die Story viel wuchtiger ist und auch von einem längeren Zeitraum erzählt wird. Wobei wir das New York Setting natürlich schon Tausend Mal gesehen haben. Die belgische Provinz hingegen – noch konkreter: den Stierzüchter – ist uns eher ein exotischer Ort.

PD: Es funktioniert aber nicht jeder Charakter. Bobs (Tom Hardy) Zufallsbegegnung mit Nadia (Noomi Rapace) führt ins Leere. Da hilft auch die gute Leistung von Rapace nicht wirklich. Sehr schön fand ich vor allem James Gandolfini als Barbesitzer Marv, der den Verlust seines Status‘ nicht verwinden konnte.

Roskam vermochte es aber auch, einen eigenen Blick auf New York zu werfen. Natürlich wurde man immer wieder von den Charakteren darauf hingewiesen, aber rein von den in Szene gesetzten Gebäuden, hätte das etwas Anonymes. Ich hatte den Eindruck, als wären Gangsterfilme der 1970er-Jahre die größte Inspiration gewesen, jene von Sydney Lumet und William Friedkin.

YP: James Gandolifini fühlt sich in dieser Rolle sichtlich wohl, wobei dieser Kleinbandit natürlich nicht mit dem großen Gangster Tony Soprano zu vergleichen ist. Und Tom Hardy zieht die Show schlechthin ab. „The Drop“ ist sein Film. Ein bisschen stieht er Gandolfini die Show, und dass obwohl es sein letzter Filmauftritt ist.

PD: Finde gar nicht, dass er ihm die Show stiehlt. Vielmehr war ich von den Momenten mit Gandolfini sehr eingenommen, wohl wissend, dass wir hier seine letzte Filmarbeit sehen. Die Momente in denen er in seinem Auto sitzt und seinem Ende entgegen sieht, sind erstaunlich.

Außerdem hat mir auch Matthias Schoenaerts in seiner Rolle als brutaler Kleinganove gefallen.

Hardy ist natürlich der darstellerische Höhepunkt des Films. Er gibt dem Charakter Facetten, die im Nachhinein alle stimmig erscheinen, auch wenn ich auf Drehbuch-technischer Ebene, diese Enthüllungen etwas weniger begeistert aufgenommen habe.

YP: Der Schluss hat natürlich diesen Beigeschmack, das will ich nicht leugnen. Dennoch ist die Spannung, die besonders in Szenen zwischen Marv und Bob entsteht, eindeutig Hardy zuzuschreiben. Für mich einer der besten Schauspieler seiner Generation.

Matthias Schoenaerts zeigt hier nur einen Bruchteil seines Könnens, leider, das lässt aber auch die Rolle nicht zu. Wir kennen ihn gut seit „Bullhead“ und „Rust and Bone“ und freuen uns auf mehr. Das hier war nur ein Trostpflaster.

PD: Gandolfini hat aber in diesen Szenen mit Hardy auch diese Wehmut einfließen lassen. Wenn Bob den abgetrennten Arm in Backpapier und Folie einwickelt, als würde er ein Sandwich verpacken, dann ist Marv derjenige, in dessen vor Schock geweiteten Augen sich auch die Reaktion des Publikums Bob gegenüber widerspiegelt. Diese Szenen funktionieren durch das großartige Zusammenspiel von Hardy und Gandolfini.

Dass Hardy nach seiner Galavorstellung in „Locke“ nun mit „The Drop“ noch einmal zeigt, was in ihm steckt und welch schwierige Rollen er übernimmt, ist natürlich nur ein Zeichen für seine Klasse.

Für Schoenaerts hat die Rolle wohl auch etwas von einem Gastauftritt. Immerhin hat er mit Roskam an „Bullhead“ gearbeitet, aber die Rolle lässt wirklich nicht mehr zu. Die Rolle von Noomi Rapace fand ich aber noch schwächer ausgearbeitet.

YP: Liegt vielleiciht daran, dass das ein „männlicher“ Film ist. Gangster-Milieu und Halbstarke, das sagt doch schon alles. Mir gefiel Rapace in ihrer Minirolle trotzdem. Die wirkt nicht wie ein verschrecktes Hascherl, bei dem Ex wäre ich weitaus mehr ausgeflippt. Und bei den Zukunftsaussichten auch. Sie tut es nicht, das hat fast was.

PD: Sie spielt gut, keine Frage, ihr Charakter jedoch hat mir nicht sonderlich imponiert. Dennis Lehane, der hier seine eigene Kurzgeschichte adaptierte, ist ja fähig, starke Frauencharaktere zu schreiben. Das hat er in „Mystic River“ gezeigt.

YP: Ein letzter Satz zu Hardys Dackelblick? Eine sehr augenscheinliche Metapher oder ist das schon wieder ein Spoiler?

PD: Spoiler haben wir eh schon genug. Daran wird es jetzt nicht scheitern. Ja, der Hund selbst ist schon eine sehr augenscheinliche Metapher und hat mich nicht gefesselt, aber es mich auch nicht sonderlich gestört.

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