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„John Wick“ bedient sich einer einfachen Erzählweise und effektiven Thematik: ein Auftragskiller wird aus seinem Ruhestand zurückgeholt. Die Rache als primäre Triebkraft spornt die Killermaschine John Wick an, den Tod an seinem herzallerliebsten Beagle-Welpen zu vergelten. Ob das für einen angenehmen Kinoabend ausreicht, lest ihr im aktuellen Dialog.

YP: Ich weiß nicht, ob es an mir und meiner anstrengenden Woche lag, aber am Freitagabend empfand ich den Film als anstrengend und unterhaltsam zugleich. Ich war erstaunt, wie stimmig die Handlung in „John Wick“ war.

PD: Ohne jeden Zweifel funktioniert das als Berieselungs-Action nach dem Feierabend, allerdings hat mich „John Wick“ vor allem dadurch beeindruckt, dass es als Genre-Beitrag nicht nur pures Ballerkino produzieren wollte.

YP: Und für einen Genre-Film funktioniert der tadellos. Mir gefiel vor allem das Setting in jeder Szene. Wenn der Teufel im Detail steckt, dann ist „John Wick“ so etwas wie der Vorhof zu Hölle. Das ist eine düstere und stimmige Welt. Die Figuren lassen eventuell an Dimensionen zu wünschen übrig, gespielt wurde jede/r einzelte wirklich fantastisch.

PD: Das war ein negativer Aspekt, der ein wenig im Hinterkopf nagte, während ich mich an den hervorragend choreografierten Schusswechseln ergötzte. Die Charaktere sind zu großen Teilen eindimensional gestaltet. Auch das Feindbild Russenmafia ist jetzt nicht sonderlich originell gewählt.

Es rückte allerdings in den Hintergrund, da ja auch die Feindbilder und Charaktere von Action- und Thriller-Klassikern nicht immer vor Tiefgang strotzen. Mich erinnerten die grundlegende Handlung und das Setting an Rache-Filme wie „Point Break“, „Get Carter“ oder „Le Cercle Rogue“. Vor allem die Bar, durch die sich Wick kämpft, ist eine eindeutige Hommage an den Melville-Film und Reeves selbst geht so stoisch durch die Handlung wie einst Alain Delon in „Le samourai“.

YP: Unmissverständlich kennt hier jemand sein Metier sogar ziemlich gut. An den russischen Feindbildern habe ich mich auch gestört, nachdem aber jede Figur – männlich und die eine weiblich – scheinbar nur die düstere Seite auslebt, spielt das dann nicht mehr so die Rolle. Es ist keine Schwarzweißmalerei, es ist alles schwarz. Mit Ausnahme der Rückblenden mit seiner Frau und sie wurde ohnehin wie ein unschuldiger Engel inszeniert (auch immer in Weiß- und Cremefarben).

PD: Sie hat Wick auch dazu gebracht, aus diesem Beruf auszusteigen, insofern muss sie geradezu zwangsweise als Erlöserfigur herhalten. So wie dann der Hund natürlich der süßeste kleine Welpe sein muss, den man offenbar finden konnte. Nicht gerade subtil, aber effektiv.

YP: Erinnere dich an den Hund in „The Drop“. Auch sehr effektiv und supersüß.
Was mir an Keanu Reeves Darstellung von John Wick sehr gut gefallen hat, dass man ihm auch die Angestaubtheit angesehen hat. Er wirkte förmlich so als wäre er ein wenig aus der Übung geraten. Das passte doch perfekt zur Rolle. Er konnte natürlich super kämpfen und hatte die besten Moves schlechthin drauf, aber irgendwo bewegte er sich auch so wie ein Mann um die 50. Und nicht wie ein junger Mann um die 25.

PD: Man könnte das nun natürlich als Trend sehen, denn immerhin haben wir die „Expendables“ oder auch Liam Neeson (62) und Denzel Washington (60) die mit einer eindringlichen Selbstverständlichkeit, den Action-Helden geben.

Keanu Reeves wirkt dagegen sogar relativ frisch und unverbraucht. Doch im Zweikampf mit den ganzen durchtrainierten und zum Teil auch viel jüngeren Killern, ist ihm sein Alter dann schon anzusehen, und man versteckt es auch gar nicht. Die Actionsequenzen haben zwar immer diesen Aspekt, dass sie im Grunde völlig der Fantasie des Stunt-Koordinators entspringen, doch man stürzt sich völlig in sie hinein.

Mir gefiel der dunkle Grundton und auch diese Geradlinigkeit (oder auch Sturheit) von Wick. Da erinnerte er mich ein wenig an den ebenfalls sehr eindrucksvollen Action-Film „Dredd“ mit Karl Urban.

YP: Aber gerade weil er eben nicht der fitteste Mann am Set ist, hat es seinen Reiz. Eine gewisse Authentizität ist hier willkommen. Abgesehen davon sieht man Reeves sein Alter nicht an, erst wenn er kämpft wird das offensichtlich. Hier ist auch anzumerken, dass einer der Regisseure des Films Reeves Stunt-Double aus „The Matrix“ ist. Ein interessanter Aspekt.

PD: Ein wenig ist dies ja auch das Comeback von Keanu Reeves. Er hat in den letzten Jahren versucht in Independent-Produktionen („Henry’s Crime“) oder missglückten Blockbustern („47 Ronin“) zu reüssieren und zudem hat er sein Regiedebüt mit „Man of Tai Chi“ abgeliefert. Da ist schön, ihn wieder in einem finanziell wie künstlerisch erfolgreichen Film zu sehen.

YP: Witzig fand ich auch, Eva Longoria in der Produzentinnen-Liste herauszulesen.

PD: Eva Longoria hat mitproduziert? Das ist mal schräge Hintergrundinfo.

Bei allem Lob für „John Wick“, wird aber aus Reeves dennoch kein grandioser Darsteller. Er ist in einem Actionfilm immer noch bestens aufgehoben.

YP: Das erwarte ich mir auch nicht von ihm. Es ist nur so, dass es nicht relevant ist. Es haben schon mehrere Personen größere Karrieren auf weniger Talent-Fundament aufgebaut. Und Keanu Reeves sehe ich seit den 90er Jahren gerne im Kino. Es ist schön, ihn wieder zu sehen. Mein letzter Abstecher war das Remake von „The Day The Earth Stood Still“ und auf dessen Qualitäten brauchen wir bestimmt nicht eingehen.
Ich bin grundsätzlich froh, meinen Filmhelden aus Teenagerzeit im Kino zu sehen. „Speed“ und „Matrix“ zählen zu wichtigen Filmen für mich. Aber auch in „Bram Stoker’s Dracula“ ist er mir lieb.

PD:  Diese Art von Nostalgie scheint ohnehin das aktuelle Actionkino mehr als alles andere anzutreiben. Neben der „Fast & Furious“-Reihe und einer Handvoll Filme mit Jason Statham, sind es gerade die Helden aus unserer Jugend, die das Actionkino am Leben erhalten.

Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone und nun eben auch Keanu Reeves. Vielleicht ist meine Freude über „John Wick“ auch deshalb so groß, weil ich seit Jahren wieder einmal das Gefühl hatte, einem erdigen und unterhaltsamen Action-Reißer beizuwohnen. Das letzte Mal, dass ich mich so über Schußwechsel im Kino freute, war bei „Face/Off“.

YP: Und das ist ewig her!

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