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„Birdman“, der den diesjährigen Academy Award für den besten Film erhielt, möchten wir natürlich nicht unbesprochen lassen.

PD: Jetzt hat „Birdman“ den Oscar als Bester Film erhalten. Damit kann ich leben.

YP: Damit kann ich gut leben. Für mich war es entweder „Birdman“ oder „Boyhood“, auch wenn letzterer der bessere Film war. Aber mir fehlen auch noch „American Sniper“ und „Selma“, das muss ich dazusagen. Und „Birdman“ war der filmischere Film, eine kritische Auseinandersetzung und auch ein bisschen Hollywood-Selbstbeweihräucherung auch. Das lieben die doch heiss und innig.

PD: Mir fehlen auch noch drei Filme aus der Liste der Nominierten, aber ich würde auch „Inherent Vice“ in Konkurrenz dazu stellen.

Du sprichst exakt den Punkt an, der mich ein wenig reserviert zurücklässt. Ja, es ist technisch ein sehr feiner Film, darstellerisch exzellent und sowohl Demontage als auch Glofizierung der Film- und vor allem Schauspielwelt, doch gerade dieser Hang zur Nabelschau hätte mir „Boyhood“ als Gewinner dann doch sympathischer gemacht.

YP
: Weil „Boyhood“ auch so eine Herzensangelegenheit mit Tiefgang ist. Ich muss aber dazusagen, dass mich „Birdman“ richtig umgeworfen hat und mir gefällt die Darstellung dieser Glorifizierung. Darüber hinaus ist es schön, Michael Keaton wieder in einer so großen Rolle zu sehen. Ich mochte ihn in den 90ern sehr gerne. Erinnerst du dich an den frühen Burton „BeetleJuice“?

PD: Das dargestellte Bild eines ehemaligen Stars der sich als ernsthafter Bühnenschauspieler rehabilitieren will, hat mir auch gut gefallen. Vor allem da Michael Keaton endlich mal eine Chance bekam zu zeigen, was er kann. Teilweise geriet die Balance in „Birdman“ aber ein wenig ins kippen, und zwar in dem Moment, in dem Edward Norton (auch sein eigenes Image zerfetzend) als selbstgefälliger Mike Shiner auftrat. In diesen ersten Duellen, schien mir, als würde der Fokus langsam in Richtung Norton wandern, was mich auch sehr freute.

An Keaton erinnere ich mich hauptsächlich wegen „Batman“ und Jahre später habe ich „BettleJuice“ nachgeholt.

YP: Wobei dieser hektische Theaterbetrieb sehr treffend mit den langen Kamerafahrten festgehalten wurde. Der Freejazz-Score passte auch ganz gut und ist für mich schon das Trademark für „Birdman“. Wie toll ist die Tatsache, dass alles in einer einzelnen langen Fahrt erscheint.

PD: Die Dynamik der schön zusammengesetzten langen Takes zu offenbar einer langen Einstellung, harmonierte sehr gut mit dem Score. Das plötzlich in den Gängen des Theaters auftauchende Schlagzeug gehört gemeinsam mit Riggans Unterhosen-Lauf über den Times Square zu den prägensten Momenten.

Weniger gefiel mir das recht eindimensional gezeigte Verhältnis zur Kritikerin. Das war recht platt.

YP: Ach, dieser aufbrausende Monolog von Riggan. Wenn ich etwas störend fand, dann die eher platte Beziehung Riggans zu seinen Frauen (Freundin, Ex-Ehefrau, Tochter, Theaterkollgegin). Auf mich wirkt das dann so, als wäre er so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass er für niemanden sonst auf der Welt Zeit und Interesse hat. Macht ihn nicht unbedingt sympathisch, aber menschlich.

PD: Dafür fällt die hochnäsige Kritikerin (Lindsay Duncan) auch bei der erstbesten Gelegenheit um und feiert Riggans Darstellung. Da hatte ich mir etwas mehr Finesse erwartet. Stattdessen erinnerte mich ihre Rolle an das Mel Brooks-Zitat: „Critics are like eunuchs at an orgy – they just don’t get it.“

Die Frauen waren ohnedies nicht ganz so interessant wie die Männer (auch Zach Galifianakis als Riggans Anwalt und Manager gefiel mir ganz gut). Man hätte auch Riggans Tochter Sam (Emma Stone) ohne Probleme aus dem Film streichen können. Es wäre dem Film wenig verloren gegangen.

YP: Aber ohne familiären Bezug wäre er unantastbar und abgehoben, das war schon ganz in Ordnung, das zu Gesicht zu bekomen.

Leider fand ich niemanden außer Riggan in diesem Film interessant. Ich würde auch nicht behaupten, dass Norten Keaton die Show stieht, für mich was das aufgesetzt, aber unterhaltsam, was wir von Norten zu sehen bekommen.

PD: Dafür hatte er ja zwei schöne Szenen mit seiner Ex-Frau (gespielt von Amy Ryan). All seine Konflikte, seine Probleme Beruf und Familie zusammenzuführen, waren in diesen beiden Szenen auf den Punkt gebracht. Emma Stone spielte ihre Rolle sehr gut, aber ich hatte nicht unbedingt das Gefühl, dass sie noch etwas zum Film beitrug.

YP: Bei mir sind seit der Sichtung einige Wochen vergangen und was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war nur der innere Kampf, den Riggan gegen sich selbst führt. Die Rolle des Riggans scheint Keation an den Leib geschrieben worden zu sein. Diese Verweise machen den Film für mich mehr als sehenswert.

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