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Etwas mehr als 150.000 Besucher, Gewinner von acht Österreichischen Filmpreisen und der Beweis dafür, dass Andreas Prochaska derjenige ist, den man hierzulande mit Genre-Arbeiten betrauen muss, um erfolgreich zu reüssieren. „Das finstere Tal“ hat seit seinem Kinostart vor einem Jahr eine Erfolgsgeschichte hingelegt.

PD: Mittlerweile ist es ein Jahr her, seitdem „Das finstere Tal“ mit viel Medienwirbel in die Kinos kam. Der Abstand und die erneute Sichtung halfen mir ein wenig, eine etwas klarere Einschätzung von Andreas Prochaskas Western zu erlangen. Wobei sich an meinem grundlegenden Eindruck wenig änderte.

YP: Weil das ein stilistisch fein gemachter Film ist. Mit welcher Intensität und Genauigkeit die Geschichte erzählt und dargestellt wird bis hin zum Höhepunkt bzw. Schlussakt, jede Sekunde bleibt da stimmig. Auch wenn die Ereignisse vorauszusehen waren, das gibt keinen Grund zur Ablenkung. Dass es sich hierbei um einen heimischen Film handelt, spielt bei der Sichtung auch gar keine bzw. eine sekundäre Rolle. Wobei meine Kino-Version ohne Untertitel war und ich mir wünschte, es wären welche dabei gewesen.

PD: Mir schien jedoch schon, dass gerade die Tatsache, dass man einen österreichischen Western inmitten einer Alpen-Landschaft zu sehen bekommt, viel von dem Reiz ausmacht. Die Charaktere im Dialekt zu hören, war schon eine Wohltat, da es ein wenig Authentizität verlieh. Gut, Hauptdarsteller Sam Riley als der mysteriöse Mann mit der Kamera hat ungefähr so viel Dialog wie Clint Eastwood in seinen Leone-Western. Stilistisch weiß Prochaska, was er tut. Das zeigte er schon bei „In 3 Tagen bist du tot“ oder „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“. Er kennt sich in den jeweiligen Genres aus, vertieft sich in die Arbeit und liefert dann auch immer einen Film, der wie eines der großen Vorbilder wirkt. Darin liegt aber für mich auch ein Problem. „Das finstere Tal“ imitiert die europäischen Western der 1960er (vor allem der winterliche Schauplatz erinnerte mich an „Il grande silenzio“), aber kann abgesehen vom Dialekt der Darsteller kaum eine eigene Note hinzufügen.

YP: Ach, der Film ist natürlich plottechnisch schon ganz einfach und konventionell gestrickt, dafür macht die Bild-Dramaturgie einiges wett. Wobei man sich nicht allzu viele Panorama-Schwenks erwarten braucht, es geht um diese düstere alpenwinterliche Stimmung. Mir gefällt die Darstellung dieses gänzlich von der Außenwelt abgeschotteten Dorfes sehr gut. Auch wenn es stark an Western-Filme angelehnt ist, kommt es gänzlich ohne Zitate aus.

Was auch ganz gut rüberkommt: es bleibt spannend, bis zum fulminanten Schluss und Western-würdigen Schusswechsel. Der Erfolg an den Kinokassen und beim Filmpublikum spricht auch Bände.

PD: Die omnipräsente Werbung hat sicher auch nicht geschadet, aber das ist natürlich keine Garantie für einen Kinoerfolg (siehe „Henker“). Gerade das Finale fand ich schlecht inszeniert.

Wenn Greider (Riley) und Brenners Söhne (allen voran natürlich ein großartiger Tobias Moretti) sich bei der Hütte zum Schusswechsel gegenüber stehen, sind die Zeitlupen-Ästhetik und der dazu gewählte moderne Soundtrack einfach nur ärgerlich. Das hat gar nicht funktioniert.

Sehr stimmungsvoll war hingegen das Tal und der darin angesiedelte Ort, fernab jeglicher Zivilisation. Da wurde schon ein Gefühl für die Abgeschiedenheit geschaffen und auch eine Nachvollziehbarkeit, für das Terrorregime, welches Brenner (Hans-Michael Rehberg) mit seinen Söhnen aufgebaut hat.

YP: Für mich hat dieser Countdown, so wie er im Film inszeniert war, sehr gut funktioniert und hat mich auch ein bisschen an Quentin Tarantino erinnert. Der ganze Film ist nicht eine strenge Linie gefahren, also war das Ende auch nicht sonderlich überraschend.

Nichtsdestotrotz finde ich die Besetzung bis zur letzten Nebenrolle stark, allen voran natürlich der stumme und stoische Sam Riley als der Fotograf Greider. Seine Darstellung hat einfach zu zum Film gepasst. Und wie er diese Dorfgemeinschaft aufwirbelt. Vor allem, weil es auf der Hand liegt, dass jedes Dorfmitglied genug Leichen im Keller verbuddelt hat.

PD: Da muss ich widersprechen. Prochaska inszeniert sehr souverän und sehr stark an Vorbildern orientiert, das ist auch passend. Dagegen gibt es nichts einzuwenden, aber gerade diese Modernisierung hat einfach nicht gepasst. Der Film ist in sehr dunkle Töne getaucht, die ganze Handlung ist von einer Schwere getragen, die auch passt. Dazu der sinistre Bösewicht Brenner, der im Hintergrund die Fäden zieht, während seine psychotischen Söhne die Gemeinschaft terrorisieren. All das hat funktioniert, und zwar weil Prochaska den Stoff ernst nahm und eine lokale Färbung gab. Wäre der Film in Hochdeutsch gedreht worden, hätte er schon nicht mehr funktioniert.

Andererseits ist es eben auch kein allzu origineller Wurf. Jede Wendung war vorhersehbar, jeder Bildausschnitt folgte einer vom Genre vorgezeichneten Logik. Als Pionierarbeit, und dieses Genre existiert hierzulande ja abgesehen von dem gelungeneren „Die Siebtelbauern“ ja nicht, ist das ein wichtiger Film.

YP: Da sehe ich jetzt nicht allzu viel Widerspruch zu dem, was ich bereits geschrieben habe. Bloß hat für mich die Modernisierung dem Ganzen etwas Würze verleihen. Der Heimatfilm-Touch hat doch sehr gut funktioniert, auch, dass im Dialekt gesprochen wurde. Hochdeutsch wäre äußerst befremdlich geworden (auch wenn ich für meine Vorstellung nur Untertitel notwendig gefunden hätte). Meine hauptsächliche Kritik bezieht sich nur auf die Plotebenen.

PD: Da finden wir wohl nicht mehr zusammen. Denn gerade der klassisch-dünne Plot mit dem wortkargen Fremden und dem dunklen Geheimnis (da atmet der Film geradezu klassische 1960/70er-Western-Atmosphäre) hat mir wieder gefallen. Auch ein Jahr später kann ich immer noch mit Genuss diesen Western schauen, auch wenn ich meine Kritikpunkte darin nur bestätigt sehe. Das Abklingen des Hypes hat „Das finstere Tal“ gut überstanden. Im Vergleich mit anderen relativ aktuellen österreichischen Produktionen, sehe ich mir jedoch den neuen Brenner-Film „Das ewige Leben“ lieber noch ein zweites Mal an. All der Qualität die Prochaska und seine Crew gezeigt haben zum Trotz.

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