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Ein oft gehörtes und vielleicht etwas abgedroschenes Sprichwort lautet: alle guten Dinge sind drei! Im Falle der aus der Feder von Wolf Haas stammenden Simon-Brenner-Fortsetzung sind es mittlerweile vier Teile. So wie auch „Komm, süßer Tod“, „Silentium“ und „Der Knochenmann“ sehen wir unter der Regie von Wolfgang Murnberger Josef Hader in der Rolle des Simon Brenner. Was der Brenner diesmal anbrennen lässt, könnt ihr folgend nachlesen:

PD: Jetzt ist schon wieder was passiert …

Das konnte ich mir einfach nicht verkneifen.

YP: Und diesmal ist es Brenners (Josef Hader) eigene Vergangenheit, die ihn in diesem Teil einholt. Eigentlich ist es so, dass er eine breit angelegte Suchaktion in seiner Vergangenheit und in seiner Heimatstadt Graz macht. Was wir da zu sehen bekommen, ist einerseits herrlich österreichisch und bizarr, andererseits sehr tragisch und doch kommt man aus dem Lachen nicht mehr heraus. Das mittlerweile routinierte Trio Haas, Hader und Murnberger enttäuscht kein bisschen, worüber ich sehr froh bin.  Zugegebenermaßen bin ich dem vierten Teil etwas zaghaft gegenüber gestanden.

PD: Josef Hader meinte in einem Interview mit der „Presse“, dass das Team jeden Brenner-Film so angehen würde, als wäre es der Letzte. Von meiner Warte aus, würde „Das ewige Leben“ auch einen sinnvollen Schlusspunkt setzen, da es ja auch ursprünglich der letzte Brenner-Roman hätte sein sollen Wolf Haas ist sich mittlerweile untreu geworden, aber ich wüsste nun auch nicht mehr, wohin man den Brenner noch schicken könnte.

Skeptisch war ich, aufgrund der heimischen Starbesetzung. Gerade die hat mich dann aber mehr als überzeugt. Roland Düringer und Tobias Moretti haben ihre Charaktere hervorragend gespielt. Gerade bei Moretti muss ich mich aber immer selber an der Nase nehmen, denn ich bin genau einer jener Menschen, die sich ständig denken: „So hat man ihn noch nie gesehen“. Was, wenn man seine Film-, Fernseh- und Theaterarbeit ansieht, geradezu Blödsinn ist.

YP: Da muss ich dir beipflichten, durch den ganzen Film hindurch wehte der wehmütige Wind des Abschieds. Nachdem darin auch die Rätsel um Brenners Vergangenheit gelüftet wurden, habe ich auch das Gefühl, als kenne ich ihn gerade gut genug.

Vorbehalte gegenüber der Besetzung hatte ich keine, weil sich jede Person sehr gut in das Ergebnis reingliedern ließ, sei es Moretti oder Düringer, Waldstätten oder Tiesel. Letztere – dem breiteren Publikum besser in der Rolle der Sextouristin in Urlich Seidls „Paradies: Liebe“ bekannt – habe ich ohnehin kaum erkannt.

PD: Nora von Waldstätten war das einzige Ensemblemitglied, das mich nicht überzeugen konnte. Ich bin allerdings auch kein großer Fan von ihr, deshalb mag hier dieser persönliche Geschmack ein wenig bei der Beurteilung ihrer Leistung überwiegen. Ehrlich gesagt hatte ich Margarete Tiesel gar nicht erkannt.

YP: Bei den Brenner Filmen habe ich immer das Gefühl sie gewähren einen Einblick in die österreichische Seele, wenn es so etwas überhaupt gibt. Oder vielleicht ist das der Beigeschmack der gesellschaftskritischen Seitenhiebe, die zu Genüge darin vorkommen.

PD: Diese Rückkehr von Brenner in seinen Heimatort – natürlich unterstrichen mit dem herrlichen Off-Text des Erzählers, dass der Brenner die große weite Welt wie Wien oder Linz immer schon lieber hatte denn Graz – trägt ja in sich diese etwas wehmütige Note. Die Rückkehr des vom Leben Gezeichneten an den Ort seiner Kindheit. Das Szenario ist nicht sonderlich neu, aber es wird wunderbar umgesetzt.

Was mir an den Brenner-Geschichten (nicht nur den Filmen) dabei immer schon gefiel, war der ständige Schauplatzwechsel. Jeder Film ist auch ein feines Portrait der Stadt, in der diese spielt. Vielleicht sind mir auch „Komm, süßer Tod“ und „Der Knochenmann“ ein wenig sympathischer. Das eine ist der Großstadtwestern und das andere der Landkrimi. Ich habe zwar eine gewisse Zeit in Graz gewohnt, aber dennoch ist mir diese Stadt immer ein wenig fremd geblieben. Wie dem Brenner.

YP: Hierbei komplementieren wir uns, denn meine liebsten Teile sind „Silentium“ und „Das ewige Leben“. In „Silentium“ betreten wir dank Brenner ganz düstere klerikale und elitäre Kreise und „Das ewige Leben“ hatte eine gewisse „Homo Faber“ Thematik. Je tiefer der Abgrund, desto unterhaltsamer.

PD: „Komm, süßer Tod“ hat wohl auch den Vorteil der höheren Gag-Dichte. Es ist ein verspielterer und lustigerer Film denn die darauf folgenden Teile. Die düstere Schwere von „Silentium“ im Anschluss war ja ein regelrechter Schock. Die Kritik an Missständen, sei es die Verwirrungen von Kirche und Politik, Menschenhandel oder schlicht Rassismus in allen Gesellschaftsschichten, zieht sich aber quer durch alle Filme. Dabei ist Josef Hader als Brenner so ein wunderbar geprügelter Anti-Held, der ganz offensichtlich am liebsten ganz woanders wäre.

YP: Wobei noch tiefer, wie Simon Brenner in „Das ewige Leben“ gefallen ist, geht doch gar nicht. Wir sehen ihn – Vorsicht: Spoiler – als Clochard, als Selbstmörder, seine kriminelle Vergangenheit jenseits der Bubenstreiche wird aufgedeckt. Also hier sehen wir mehr von Brenner als in den Teilen zuvor.

PD: Insofern ist es schwer vorstellbar, wie die Geschichte des Brenner weiter geführt werden soll. Andererseits hat sich das Team bei der Adaption nicht wirklich streng an die Vorlage gehalten. Es ist zwar schon länger her, seitdem ich „Das ewige Leben“ gelesen habe, aber das Buch endet ja mit der Ermordung des Erzählers.

YP: Im Gegensatz zu den ersten drei Verfilmungen habe ich gerade die Vorlage zu „Das ewige Leben“ nicht gelesen.

PD: Aber die Filme sind auch so aufgebaut und vor allem so mit der Person von Josef Hader verbunden, dass man die Bücher nicht gelesen haben muss. Eher sind sie eine Anregung.

YP: Das ist mir schon beim ersten Film „Komm, süßer Tod“ aufgefallen, dass sich da viel weiterentwickelt hat und es besser „Angelehnt an“ heißen sollte. Das ist auch das Gute daran. Wolf, Murnberger und Hader kommen aus unterschiedlichen Bereichen. Die Mischung ist ausgewogen und ideal. Das Ergebnis bei allen vier Verfilmungen absolut stimmig.

PD: Was man vergisst, wenn man das kreative Trio herausstreicht, ist die prägende Musik der Sofa Surfers, die den Filmen auch ein musikalisches Motto verpasst hat.

Im Grunde funktionieren die Brenner-Filme auch wie eine klassische Hollywood-Franchise. Mit all ihren Signalmomenten, die es einem Neueinsteiger leicht machen, in diese Welt hinein zu finden, während der Kenner wissend lächelt. Etwa dass Brenner am Ende niemals den Bösewicht besiegt, sondern sich in seinen Fängen befindet und durch äußere Umstände gerettet wird.

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