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Mittlerweile befindet sich die Fantasy-Saga rund um die Machenschaften, Intrigen und Kämpfe in Westeros in der fünften Staffel und so langsam beginnen sich Ermüdungserscheinungen eingetreten. Sind die Macher zu blutrünstig in ihrem Streben nach Spektakel oder eifern sie nur der Vorlage „A Song of Ice and Fire“ von George R.R. Martin nach?

Teil 1 zum Nachlesen hier entlang.

PD: So sehr will ich Martin aber auch nicht aus der Verantwortung nehmen. Er hat mehrere Drehbücher der vergangenen Staffeln geschrieben und ist Co-Produzent. Zudem gab es Treffen mit den Serienverantwortlichen, damit diese, sollten sie ihn mit den Staffeln überholen, ungefähr wissen, welches Schicksal die einzelnen Charaktere befällt. Zu sagen, dass es in den Büchern ausgewogener ist und in der Serie nicht, entlässt Martin zu sehr aus der Thematik, obwohl er sich selbst ja auch entsprechend dazu geäußert hat.

Das Schicksal von Theon fand ich eher nervig, da sein Charakter seit einer gefühlten Ewigkeit nur am Rande verweilt, um als Erinnerung für die Grausamkeit Ramsays parat zu stehen. Deshalb war die Hochzeitsnacht mit Sansa so unnötig und auch anstrengend.

Es gibt aber nicht nur verwundbare Frauen in „Game of Thrones“. Man denke an Arya, deren Handlungsstrang sich zum besten der gesamten Serie entwickelt hat, oder an Ellaria Sand, die den Tod von Oberyn mit allen Mitteln rächen will. Auch Brienne ist ein starker Charakter. Melisandres Handlungen zeugen erst recht von einer Macht über andere Menschen, der sich vor allem Stannis bis zum bitteren Ende hin unterwirft. Apropos Stannis. Sein Tod durch die Hand von Brienne in der letzten Episode und die vielen ungelösten Schicksale kamen für mich allesamt überraschend.

YP: Sehr wohl kann ich die Macher dafür verantwortlich machen, was sie aus der Vorlage machen und gemacht haben. Dass Martin selber mitwirkt und in Beratender Funktion dabei ist, ist mir auch bekannt. Aber seine Show ist das nicht. Und nur eine Folge pro Staffel hat er geschrieben. Das merkt man jeder Folge auch an. Anstatt diese Storylines zu verbessern, zu hinterfragen, zu kritisieren, nutzen sie diese für eine perverse Zurschaustellung von Gewalt. Und einen großen Unterschied ist auch den beiden Medien zuzuschreiben. Es gibt dann doch einen feinen Unterschied zwischen dem Roman und einem Film. Bei einem Roman habe ich die Gewaltvorstellung unter Kontrolle. Wenn mir jemand anderer seine in einer Serie präsentiert, dann bin ich ihr ausgeliefert. Nun ist es so, dass ich die Serie natürlich nicht mehr sehen muss.

PD: Nur ist es eben so, dass Martin ja nicht seine Bücher den Machern einfach in die Hände gedrückt hat und sich absolut nicht daran beteiligt. Er ist ja sehr wohl darin involviert, auch wenn er nicht zu jeder Episode das Drehbuch schreibt. Seine Kritikpunkte sind auch auffallender Weise das Design des Iron Throne und weniger die Interpretation einzelner Passagen der Handlung. Damit scheint er mir schon sehr gut leben zu können. Hätte er wirklich Probleme damit, dann hätte er auch á la Alan Moore komplett seine Unterstützung der Adaption entziehen können.

Um aber auch auf die positiven Aspekte der fünften Staffel zu kommen, möchte ich die 8. Episode („Hardhome“) anführen, in der Jon Snow das Freie Volk (die Wildlings) vor der Gefahr durch die White Walker schützen möchte. Das war eine mitreißende und kraftvolle Episode, in der auch die Actionszenen sehr effektiv inszeniert wurden. Zudem gab es in eben dieser Episode auch endlich das Treffen von Tyrion mit Danaerys, worauf zuvor etwas langatmig hingearbeitet wurde, und der Austausch zwischen den beiden hatte die besten Dialoge der gesamten Staffel zu bieten. Voller Witz aber auch Wehmut.

YP: Ich kritisiere hier auch die Serienadaption und nicht die Romanvorlage, da ich bereits einmal geschrieben habe: „Und genau dort liegt auch das Problem. Martin hat für ein gewisses Gleichgewicht bei den Figuren gesorgt, er hat viele verdammt starke Frauen in den Romanen.“ Wovon die Serie weniger hat.

Positiv war in dieser Staffel für mich leider wenig. Tyrions Odyssee gehört bestimmt dazu und Daenerys Zusammentreffen mit Drogon, beide Male sehr gewaltig und bildgewaltig. Mittlerweile betrachte ich das auch mit Wehmut. Aber ab Staffel 6 haben sie Narrenfreiheit, da Martin den 6. Roman bestimmt nicht vorher veröffentlich. Dann wird das für mich sowieso eine andere Serie sein – ohne Vorlage und nur mit mündlich überlieferten Anhaltspunkten – abgesehen von der veröffentlichten Artikel aus „The Winds of Winter“

PD: Da reden wir aneinander vorbei, da es mir um Martins Einfluss und Verantwortung bei der Adaption geht, die ich ebenso hoch ansehe, wie bei den Romanen. Hätte er ein Problem mit der Adaption, dann würde er sich auch dagegen aussprechen. Er würde sich damit ja auch geradezu in eine Tradition von Autoren hinein begeben, die der Adaption ihres Werkes wenig abgewinnen können. Mal sehen ob er den Roman noch rechtzeitig vor der nächsten Staffel veröffentlicht, aber ich bin da skeptisch. Ich bin schon froh, wenn ich selbst Band 5 bis dahin gelesen habe.

Tyrions Handlung gefiel mir erst wieder, als er mit Danaerys zusammentraf. Ab da kam es zu neuen Entwicklungen. Danaerys wirkte in dieser Staffel ohnehin wie eine Getriebene. Die Sons of Harpy haben ihr deutlich aufgezeigt, dass sie womöglich doch nicht die große Herrscherin ist, die sie gerne wäre. Lustigerweise fand ich den Moment, in dem Drogon Danaerys aus der Arena rettete, ein wenig unfreiwillig komisch. Gut, sie fliegt mit ihm davon, aber was passierte eigentlich mit Tyrion, Jorah und Daario Naharis? Die saßen ja immer noch dort unten fest und waren von den Sons of Harpy umzingelt.

Sehr stark war wieder einmal die Geschichte um Arya. Gerne könnte man da mehr zeigen, denn das ist nicht nur spannend, sondern von Maisie Williams auch toll gespielt.

YP: So viel Einfluss auf die Gestaltung wie du spreche ich Martin nicht zu. Da drehen wir uns im Kreis.

Allein Aryas Geschichte verdient einen Ableger. Anfangs war sie noch zu sehr von Rachegelüsten getrieben. Jetzt wird daraus etwas anderes. Natürlich gibt es dann Maryn Tant, der ihr in die Arme läuft, aber auf mich wirkt es, als wolle sie bei ihrer Transformation mit der Vergangenheit abschließen.

Für die neue Staffel wünsche ich mir – abgesehen davon die Vorlage gelesen zu haben, was ich aus ausschließe – dass die Macher ein wenig kreativer gestalten. Wenn da noch tatsächlich 3 Staffel kommen sollen, dann sage ich: Winter is coming!

PD: Das wäre tatsächlich eine Spin-off-Serie wert. Allerdings sehe ich sie schon noch von Rache getrieben. Ihre Eiseskälte bei der Ermordung von Trant sah ich schon auch noch als das Abarbeiten ihrer Todesliste. Dass ihr Leben als Arya Stark jedoch ein Ende findet, liegt weniger in ihren Händen denn in jenen der Faceless Men.

Bei den Vorgängen auch schon in den vorangegangenen Staffeln, muss ich doch immer wieder an die Bemerkung bei Honest Trailer denken. Dass sich doch bitte irgendwer um diese Bedrohung hinter der Mauer kümmern möchte. Die Vielzahl an Charakteren ermöglicht es den Machern ja, das Geschehen ordentlich in die Länge zu ziehen, aber von der die Menschheit bedrohenden Armee der Untoten bekommt man kaum was zu sehen und der Marsch von Danaerys auf Westeros ist auf geradezu komische Weise wieder an seinen Ursprungsort zurückgeworfen worden.

Mit diesem Beitrag verabschieden wir uns in die Sommerpause und kehren am 7. August wieder zurück. Dann mit einem Dialog über Richard Ayoades filmisches Werk und seinem reflektiven Debütbuch „Ayoade on Ayoade“.

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