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Er ist Stand-Up-Comedian, Schauspieler, Regisseur und Autor. Das britische Multitalent Richard Ayoade erlangte internationalen Ruhm mit seiner Rolle des Computer Nerds Maurice Moss in „The IT Crowd“ und verblüffte mit seinen Regie-Arbeiten „Submarine“ und „The Double“. Zuletzt publizierte er auch noch ein Buch mit dem vielsagenden Titel „Ayoade on Ayoade: A Cinematic Odyssey“. Doch ist er auch in all diesen Feldern gleichermaßen erfolgreich?

PD: Wann war deine erste Begegnung mit Richard Ayoade? Für mich war es sein Auftritt in der herrlichen Sitcom „The IT Crowd“ und neugierig geworden, stieß ich schließlich auf die kurzlebige satirische Horrorserie „Garth Marenghi’s Darkplace“ (gemeinsam mit seinem IT Crowd-Co-Star Matt Berry). Als Sitcom-Darsteller konnte er mich sofort überzeugen.

YP: Erstmals aufgefallen ist er mir natürlich auch in „The IT Crowd“. Das muss so um 2006 oder 2007 gewesen sein. Tatsächlich bin ich fast allen Serienbegeisterten in meinem Freundeskreis nachgelaufen mit dieser Serie, für mich erreichte sie bereits nach 2 Staffeln Kultfaktor. Niemand schien sich damals dafür zu interessieren. Bis auf eine Freundin. Die sah sich die erste Staffel an und empfahl mir daraufhin „The Mighty Boosh“, eine Comedyserie mit Noel Fielding, der in „The IT Crowd“ den großartigen Richmond spielte. Eines führte zum anderen, denn da gab es dann die zweite Begegnung mit Ayoade (der allerdings nicht so prominent vorkommt wie Fielding und Julian Barratt).

PD: „The Mighty Boosh“ kenne ich leider (noch) nicht, aber es war seine Arbeit an „Garth Marenghi’s Darkplace“, wo er ja sowohl eine wichtige Rolle einnahm aber auch Regie führte und an den Drehbüchern mitschrieb, dass mir langsam klar wurde, dass man es hier wohl nicht nur mit einem talentierten Komiker zu tun hatte. Dabei war er bei „The IT Crowd“, die mir auch so lange von Bekannten empfohlen wurde bis ich endlich nachgab, nicht einmal als der beste Darsteller in Erinnerung geblieben. Viel mehr funktionierte sein Charakter schlicht hervorragend im Zusammenspiel, mit Chris O’Dowds Roy. Der herrlich komische Cameo-Auftritt von O’Dowd in „The Double“ genoss ich dann auch aus dieser Erfahrung heraus.

YP: Am besten funktioniert für mich seine Moss-Figur eher im Zusammenspiel mit Katherine Parkinsons Jen. Da gibt es diese Widersprüchlichkeit, diese Gegensätzlichkeit. Natürlich auch mit O’Dowds Roy, aber seine Unbeholfenheit und Zaghaftigkeit bei Parkinsons vorlauter und überdrehter Jen ist einfach herrlich anzusehen. Tatsächlich habe ich mir auf deine Empfehlung hin dann „Garth Marenghi’s Darkplace“ angesehen, was mich aber eher kalt ließ und wenig begeisterte.

Und als Regisseur fiel mir Ayoade ohnehin dann mit „Submarine“ auf. Das ist doch ein exzellenter und reflektierter Debütfilm. Nicht so sehr überrascht war ich – eher erfreut darüber, wie gelungen der Film geworden ist. Das Coming-of-Age Drama hat ein gutes Tempo und ist – verglichen mit den im ähnlichen Kontext erwähnten Wes-Anderson-Filmen herrlich schwarz. Und in jeder Sekunde spüren wir Ayoades Liebe zum Geschichtenerzählen und der großen Leinwand.

PD: Katherine Parkinson hatte ihre besten Szenen vor allem mit dem sexistischen und derben Douglas Denholm (Matt Berry), aber natürlich war das Dreigespann eine Augenweide. Ansonsten hätte die Serie auch nicht funktioniert, wenn nicht die drei Charaktere sich gegenseitig hoch gepusht hätten.

Bei „Garth Marenghi’s Darkplace“ amüsiert mich immer wieder, wie hier mit den Klischees billiger Stephen King-Nachahmer (und Stephen King selbst natürlich) gearbeitet wird. Zudem zeigt Ayoade in seiner Darstellung als egomanischer Produzent-Schauspieler, eine völlig andere Seite als jene bekannte aus „The IT Crowd“. Das fand ich dann auch sehr enttäuschend, als er in seinem Hollywood-Debüt in der Ben Stiller-Komödie „The Watch“ den Großteil der Handlung nur im Hintergrund herum stehen muss.

Ben Stiller hat übrigens auch „Submarine“ mitproduziert. Diese Coming-of-Age-Geschichte erinnerte mich auch sehr an Truffauts „Les Quatre Cents Coups“ und, wohl aufgrund der vielen Feuerspiele von Jordana und des sehr einprägsamen Kleidungsstils von Oliver, auch an Hal Ashbys „Harold and Maude“. Doch auch wenn man all diese Referenzen sieht und erkennt, so bleibt der Film eigenständig. Allein Olivers Off-Erzählung, wie er versucht seinen eigenen Charakter zu definieren (indem er Pfeife raucht, oder Hüte trägt) ist zwar sehr von Wes Anderson geprägt, aber Ayoade hat einen eigenen erkennbaren visuellen Stil.

YP: Mit „The Watch“ konnte ich dann auch weniger anfangen. Dass Ben Stiller diesen Film mitproduzierte, wusste ich nicht, das ist doch ein witziges Detail. Auf jeden Fall kann Ayoades Debüt locker gegen Andersons Filme bestehen. „Submarine“ zeigt einen düsteren Achtzigerjahre-Look im einem wenig einladenden England, der natürlich nicht viel mit der warmen Siebzigerjahre-Optik in Wes Anderson Filmen zu tun hat. Und dann ist da noch dieser unzugängliche und oft eigensinnige Humor. Wobei ich natürlich nicht sagen kann, ob ich nicht einfach zu voreingenommen bin, da mir diese Art von Humor einfach zusagt. 

So auch in seinem Buch „Ayoade on Ayoade: A Cinematic Odyssey“. Allerdings hätte sich „Ayoade Versus Ayoade“ besser als Titel geeignet. Sein literarisches Werk ist nur für hartgesottene Fans, da sich Ayoade auf mehreren Metaebenen bewegt. Nach einiger Zeit wird das zwar ein bisschen anstrengend, aber dafür lesen sich diese Interviews sehr kurzweilig.

PD: Eigenwilliger Humor? Ja. Unzugänglicher fand ich dagegen „The Double“. Ayoade beschreibt in seinem nicht immer einfachen Buch sehr schön und mit bitterem Humor, dass er nach „Submarine“ auf der Suche nach einem Blockbuster war. Natürlich adaptiert man da eine Erzählung von Dostojewski.

Bei „Submarine“ stand noch mehr die Dualität der Erzählung im Vordergrund. Olivers Kampf um seine Beziehung zu Joanna und zugleich sein Kampf um die kriselnde Ehe seiner Eltern (herrliche Rollen für Noah Taylor und Sally Hawkins). Bei „The Double“ hatte ich stets den Eindruck, dass die Erschaffung einer düsteren und geradezu schmutzigen, bürokratischen Atmosphäre – ganz wie bei Terry Gilliam in „Brazil“ – wichtiger war, denn die Geschichte rund um Simon James (Jesse Eisenberg) und die Konfrontation mit James Simon (wieder: Eisenberg).

YP: Sein an Dostojevski angelehntes und visuell von Terry Gilliam und David Lynch inspiriertes „The Double“ geht aber dann auch stark in die Richtung „Enemy“ von Denis Villeneuve, dessen Werk wir hier besprochen haben. Seinen Zweitfilm hingegen fand ich aber dann anstrengender, wobei natürlich nicht weniger beeindruckend.

PD: Darin ähnelt sich „The Double“ aber auch seinem Buch. Es ist stilistisch beeindruckend, mit vielen humorvollen Sequenzen aber nicht immer leicht zu verdauen. Vor allem in literarischer Form ist mir der Meta-Humor von Ayoade oft zu viel auf einmal. Die Interview-Sitzungen zwischen Ayoade und Ayoade waren die reinste Freude, aber der Fußnoten-Wahn (und der gesamte Anhang), haben mir oft die Freude an der Lektüre genommen. Als Regisseur und Schauspieler kann ich kaum auf die neuste Arbeit von Richard Ayoade warten, aber als Buch-Autor darf er sich gerne ein wenig zurück nehmen.

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