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Terrence Malick hat im Laufe seiner Karriere, die 1973 mit „Badlands“ begann, insgesamt sieben Filme abendfüllende Spielfilme gedreht, drei davon („The Tree of Life“, „To the Wonder“) in den letzten 4 Jahren. Sein jüngstes Werk „Knight of Cups“ versammelt nicht nur eine ordentliche Anzahl an Hollywood-Stars, sondern ist auch in diesem Gebiet angesiedelt.

YP: Wenn ich an „Knight of Cups“ denke, dann fallen mir die folgenden Eigenschaften nachträglich dazu ein: esoterisch, spirituell, mystisch, meditativ, religiös. Auf den ersten Blick wirkt der Film unnahbar und unzugänglich, aber schnell entfaltet sich ein ziemlich einfacher Plot, durch die ziemlich unkonventionelle Erzählweise ein wenig sperrig wirkt, aber sehr einfach dargestellt wird. Wie das schon dramaturgisch von Malick in „The Tree of Life“ und „To the Wonder“ eingesetzt wurde.

PD: Vor allem stilistisch geht Malick seit „The Tree of Life“ einen sehr geradlinigen Weg. Dies hat sich zwar schon in „The New World“ angekündigt, aber seit seinem Opus Magnum „The Tree of Life“, scheint er seinen neuen Stil gefunden zu haben. Was dabei ein wenig irritiert, sind die Formalismen, die er entwickelt hat. Mich störte weniger die simple Handlung, denn inhaltlich komplex waren ja die wenigsten Werke von Malick. Sie folgen meist einer einfachen Grundidee und diese weiß Malick mit visuellen Mitteln faszinierend aufzubereiten. In „Knight of Cups“ fiel mir aber erstmals sehr stark auf, auf welche Kunstgriffe er immer wieder zurückgreift.

Vor allem die Darstellung verliebte Paare war mir sehr schnell ein Ärgernis. Die schwülstige Melodramatik von „To the Wonder“ erreichte es zwar nie, doch es war dennoch oft schlimm genug, mitansehen zu müssen, wie jede Frau mit schwingenden Armen in Chiffonkleidern durch die Gegend zu schweben scheint.

YP: Nein, wieso schwülstig? Da war doch von Melodrama keine Spur. Das ist eher gefilterte Trailer-Optik. Vor allem bei den Szenen, die sich am Strand abspielen (und davon sind einige im Film zu finden), die erinnern mich an Calvin-Klein-Parfümwerbungen aus den neunziger Jahren. Sieht man sich den Trailer von „Knight of Cups“ an, dann findet man sich – zumindest auf die optischen Darstellungen bezogen – sofort im Film wieder.

Anstrengend wird es für mich eher wegen der unkonventionellen Erzählweise, da man sich die Informationen zum Plot (die auch spärlich gesät sind), hart hinaushören musste. Es wirkt alles so, als würde es beiläufig erzählt werden. Eine schauspielerische Herausforderung war das für die Cast-Mitglieder nicht. Allerdings war das bestimmt ein aufregendes Arbeitserlebnis. Malick soll gänzlich auf ein Drehbuch verzichtet haben. Wundert mich gar nicht. Sieht man dem Film doch an.

PD: Bei „To the Wonder“ war die Melodramatik der Geschehnisse, die Erzählung der zwei zerbrechenden Beziehungen, kaum zu ertragen und auch „Knight of Cups“ ist nicht gänzlich frei davon. Vor allem die Affäre mit der von Natalie Portman gespielten Frau, inklusive Schwangerschaft, wird mit viel Pathos in Szene gesetzt.

Die Optik erinnerte mich weniger an die von dir angesprochenen Werbespots, sondern blieben viel mehr in diesem von Malick sehr eigenen Filmkosmos hängen. Es erinnerte mich stellenweise an „Inland Empire“ von David Lynch. Malick dreht die Filme völlig nach seinen eigenen Regeln und ohne Rücksicht auf Verleiher oder Produzenten. Entsprechend ist man mitten in dieser eigenen Filmsprache drinnen, in der in irrwitziger Geschwindigkeit (teilweise alle 3 Sekunden ein Schnitt) die Bilder und Metaphern an einem vorbei rasen. Die stärkste Sequenz war für mich deshalb auch die Hollywood-Party, bei der Malicks Kamera scheinbar etwas ruhiger durch diese dekadente Versammlung glitt, so wie Rick (Bale). Die Suche nach einer Handlung war für mich Teil des Filmes. Malick ließ seine Darsteller mit einzelnen Dialogzeilen experimentieren und so entwickelte sich die Geschichte. Genauso beginnt der Zuseher sich die Handlung aus verschiedenen Dialogzeilen zusammenzureimen. Verbunden mit der Bilderflut ein forderndes Erlebnis.

YP: Terrence Malick ging es – vor allem in seinen letzten beiden Filmen – vor allem darum, (s)eine eigene Sprache als Filmemacher zu kreieren oder von mir aus zu vertiefen. Ich fand das sowohl befremdlich als auch erfrischend und angenehm. Die Handlung fließt gemächlich in einem durch. Der Film dauert knappe zwei Stunden und die Zeit vergeht schnell. Trotzdem bekommt man Vieles aus Ricks Leben mit. Ricks Alltag, Ricks Arbeit, Ricks Bekanntschaften, Affären, Liebesbeziehungen, seine Familie. Was am meisten fehlt – im Vergleich zu konventionelleren Filmen – sind die Dialoge. Über die Tonspur lässt er die Figuren reden – allerdings sehr monologhaltig. Diese Monologe begleiten auch die Bilder.

PD: Dabei wechselt in „Knight of Cups“ auch immer wieder die Stimmungslage der Erzählung. Von dekadenten Hollywood-Insider-Szenen über leere One-Night-Stands hin zu mysteriös aufgeladenen religiösen Bilderwelten hin zu den tief erschütternden Beziehungen. Ob zu seiner Ex-Frau (Cate Blanchett) oder zu seinem Vater. Wobei mir vor allem der von Brian Dennehy gespielte Vater gefiel, wie er langsam den Zugriff zur Welt verlor. Dieser versuchte entweder mit alten Kollegen ins Gespräch zu kommen, wobei sie ihm das Wort abschnitten, oder er monlogisierte gegenüber seinen beiden Söhnen vor sich hin.

Weniger gefiel mir in diesem Zusammenhang der von Wes Bentley gespielte Drogensüchtige Bruder von Rick. Bentley war im Grunde nur wütend. Mehr hatte er nicht zu bieten, als den immer gleichen Wutausbruch.

Wer versucht mit „Knight of Cups“ in die Filmsprache von Malick einzutauchen, wird aber wohl eine überraschende Erstbegegnung mit Malick machen. Da wäre es wohl anzuraten, sich sanft von „Badlands“ weg langsam immer tiefer hinein führen zu lassen.

YP: Diese Bildsprache hat er aber in seinen letzten drei Filmen besonders intensiviert. Interessant und verklärt – auch ein bisschen abgehoben – ist aber Malicks Blick auf die Frauen in seinem Film. Diese wirken sehr idealisiert und stilisiert. Manche Elfenartig (Isabel Lucas und Cate Blanchett) und manche Feenartig (Natalie Portman und Imogen Poots). Alle haben sie etwas Unnahbares an sich. Bei Lucas Figur hatte ich fast das Gefühl, er sei nur an ihrer Erscheinung interessiert, ihr Körper als Instrument. Nicht einmal konnte man ihr Gesicht oder ihren Ausdruck wahrnehmen. Bei Blanchett fand ich das fast ein schade, wobei sie – im Gegensatz zu Portman – schauspielerisch mehr zum Zug kommt.

PD: In „The Tree of Life“ idealisierte er auch die von Jessica Chastain gespielte Mutter, was Sinn ergab, da dies durch die Augen des Sohnes passierte. Durch die Augen von Rick bekommen die Frauen hier allesamt dieselbe Aura, wie dies schon in „To the Wonder“ zu sehen war. Wehende Arme, aufeinander zu oder voneinander weg laufend und allesamt sind sie über einen gewissen Zeitraum barfuß zu sehen, was auf einen Fußfetisch schließen ließ.

Darstellerisch war das wohl kaum heraus fordernd, wobei Cate Blanchett dennoch einen starken Eindruck hinterlassen konnte.  Das erscheint mir aber auch die große Aufgabe von Malick zu sein, die er sich selber stellt. Ein Kino, welches seine prominenten Gesichter nur noch als Staffage nutzt und seine Geschichten über spärliche Dialoge und auf rein visueller Ebene erzählt. Das hat bei „The New World“ und „To the Wonder“ weniger, in „The Tree of Life“ fantastisch funktioniert.

YP: Das ist aber ein interessanter Ansatz von dir. Die A-Lister und Hollywood-Stars, die bekanntesten und etablierten Gesichter dieser Millionen- und Milliarden-Industrie, treten in Malicks Filmen fast als Statisten auf. Besonders schön zu beobachten ist die chronologische Entwicklung des Geschichte(n)erzählens in seinen Filmen. Wer seine Filme in Reihenfolge des Erscheinens begutachten konnte, hat viel mehr davon. Trotz einiger kleiner Schwächen ist „Knight of Cups“ ein Seherlebnis, ob positiv oder negativ, das muss wohl jeder selbst entscheiden. Sein letzter Film macht trotzdem Lust auf das, was noch kommt.

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