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Zum zweiten Mal arbeiten Bill Murray und Sofia Coppola zusammen. Nach dem gefeierten „Lost in Translation“ bieten sie der Filmwelt per Netflix ein Weihnachtsspecial. Was hat das mit Stars gespickte „A Very Murray Christmas“ zu bieten?

PD: Wenn ein Weihnachtsspecial bereits im Titel einen Meta-Scherz über den Hauptdarsteller bietet, dann darf man sich als Zuseher auch nicht darüber wundern, dass ein Großteil des Reizes in eben dieser Meta-Ebene liegt. Weihnachtliche Festtagsstimmung wird eher verhalten serviert.

YP: Vielmehr erinnerte mich das an einen überlangen und mit Weihnachtssongs gespickten Clip aus SNL. Aber wie du da nicht in Weihnachtsstimmung geraten konntest, jede Sekunde des einstündigen Videos platzt aus allen Nähten vor Weihnachten. Ungern habe ich es mir nicht angesehen, aber ich bin nie über ein Schmunzeln hinausgekommen.

PD: Bei Stichwort Weihnachtsspecial fällt mir zunächst einmal die jährlich servierte „Peter Alexander Show“ ein, und dem ist „A Very Murray Christmas“ gar nicht einmal so unähnlich. Die Songs werden durch ein paar launige Sketche zusammengehalten, die mich auch eher an SNL erinnerten, ehe alles schließlich am Ende in glitzernden Festtagskitsch mit Miley Cyrus und George Clooney versinken kann. Bei Bill Murray hatte das aber stets etwas Melancholisches und Trauriges. Der Moment, in dem er aufwacht und aus dem Fenster blickt, ist wie das Versprechen zu einem Film, in dem es erneut um die Einsamkeit eines von seinen vorgeblichen Freunden verlassenen Entertainers wider Willen geht.

Ich habe das auch mit einem Schmunzeln beobachtet, aber wirklich darin versunken bin ich nie. Um so richtig in Weihnachtsstimmung zu geraten, benötige ich „A Nightmare Before Christmas“, „A Charlie Brown Christmas“ oder eine der Weihnachtsepisoden von „Married…with Children“.

YP: Einer meiner Lieblingsweihnachtsfilme ist „Christmas Vacation“. Ich mag es weder allzu rührselig noch besinnlich. Weihnachtssongs kann ich mindestens eine Woche lang ausstehen, dann kann ich sie für ein Jahr nicht mehr hören.

Hierbei gefiel mir aber auch der Nonsens-Faktor. Erfreulich waren die vielen bekannten Gesichter aus der Film- und Serienlandschaft Hollywoods. Zeitweise fühlt man sich aber schon in das Setting von „Lost in Translation“ zurückversetzt. Dann aber sieht man Bill Murray mit einem Plüsch-Geweih und schlagartig wird einem bewusst, wo man wieder ist.

PD: Chevy Chase und die Griswold-Familie in Weihnachtslaune. Ja, das ist natürlich auch ein immer wieder gern gesehener Klassiker. Das gefiel mir auch an dem Netflix-Special mit Murray, dass die Rührseligkeit hier nicht die Oberhand gewann. Selbst die Darbietung der Weihnachtslieder bekam eine verschrobene Note, wenn etwa Chris Rock zwangsrekrutiert wird und völlig schief mit Murray im Duett singt. Die beste Gesangsdarbietung gab es ja von Maya Rudolph, nur so nebenbei.

Auch der Auftritt von Clooney war sehr charmant und ganz seinem Image entsprechend, wenn er im Hintergrund am Klavier steht und Martinis mixt.

Das „Lost in Translation“-Gefühl wurde ich aber nie wirklich los, gerade wenn Bill Murray versuchte, die Menge in Stimmung zu versetzen. Gerade da schien es mir, als würde man einer Quasi-Fortsetzung zusehen.

YP: Chris Rocks Auftritt hat dem Special eine komödiantische Note verliehen. Bei Bill Murray schwingt immer etwas Melancholisches mit, was auch hier gut zur Geltung gekommen ist. Bei George Clooney ist es mittlerweile aber schon so, dass es immer diese Starfigur Clooney ist.

Ich fand es witzig, wie im Special mit der Verwischung zwischen Schauspieler und Filmfigur – bei Murray, Clooney, Cyrus –  kokettiert wird, wohl wissend, dass es natürlich nur eine Show ist und wir es hier nicht mit den Personen zu tun haben, sondern mit Schauspielern und Schauspielerinnen, die den Job machen.

Für Sofia Coppola war das wohl eine Fingerübung, wobei die eingeschlagene Richtung in Bezug auf das Genre sehr ungewöhnlich für sie ist. Zwar nicht großartig ein Wagnis, aber ungewöhnlich.

PD: Ich war völlig überrascht davon, dass Sofia Coppola hier die Regie inne hatte. Genau genommen wirkte das wie ein Routinejob für eine TV-Crew, aber Coppola drückte eine gewisse eigene Note drauf, indem sie Murray immer wieder in diesen einsamen Momenten zeigte. Dafür gelangen ihr manche Comedy-Momente (abgesehen vom herrlichen Chris Rock) weniger. Die Dialoge von Amy Poehler und Julie White oder auch der nicht sonderlich unterhaltsam geratene Kurzauftritt von Michael Cera. Dazu war etwa auch die Geschichte um Elliott (Jason Schwartzman) und seine Braut (Rashida Jones) hauptsächlich langweilig und nur deshalb erinnerungswürdig, da Murray sich zur Braut hinsetzte, mit dem Hinweis, dass es die Menschen scheinbar aufheitert, wenn sie Fotos mit ihm machen.

Da greift man auch wieder auf das Image Murrays zurück, um die lose Handlung am Laufen zu halten. Insofern haben mir die Auftritte von Clooney und Miley Cyrus gut gefallen, denn sie spielen die Rollen, die man mit ihnen verbindet. Der Versuch daraus mehr zu machen, wäre schön gewesen, aber Coppola begnügt sich mit dem Glitzer und Glamour und das funktioniert dann schlußendlich auch irgendwie.

YP: Man lässt sich ja damit irgendwie berieseln. Und das bestimmt nicht ungern, wobei mir da einfach die Motivation zum Sichten fehlte. Dem Ganzen habe ich auch nur eine Change gegeben, weil du es für den Dialog vorgeschlagen hast. Unbedingt sehen musste ich es nicht. Jetzt, wo es vorbei ist, ist es erledigt. Es hat weder weh getan noch großartig inspiriert.

PD: Dieses Special hat seine Berechtigung für den 24.12. oder die darauf folgenden Feiertage. Jetzt finde ich es ein wenig deplatziert, aber das liegt wohl auch daran, dass ich Weihnachten nur an den Feiertagen ins Haus lasse. Zu einem Festtags-Klassiker, den ich mir regelmäßig zur passenden Zeit ansehe, hat es „A Very Murray Christmas“ nicht geschafft.

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