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Die romantische Komödie „Aloha“ von Cameron Crowe hat es trotz imposanter Starbesetzung nicht auf die heimischen Leinwände geschafft, sondern landete direkt auf Netflix. Zurecht oder zu Unrecht?

YP: Lass mich meine Gedanken zum Film in Zuckerwatte verpackt ausdrücken: Was für ein schwacher und uncharmanter Film!

PD: Es ist doch erstaunlich wie ein süßlich-bunter und voller hübscher Menschen vollgestopfter romantischer Film, so gar keine positive Emotion in einem wecken kann. Überall sah ich die Ansätze zu gutem Kino und die wurden dann im Keim erstickt. Vor allem weil das alles ja auch schon einmal im Ansatz keinen Sinn ergab.

YP: Ich hatte u.a. ein Problem mit dem männlichen Hauptdarsteller. Leider finde ich Bradley Cooper schauspielerisch (nicht nur hier) nicht gut. Abgesehen davon ist er mir total unsympathisch. Der hatte den ganzen Film hindurch sowieso nur eine Grimasse drauf. Dann gibt es da Emma Stone, die ich sehr gerne mag, aber in „Aloha“ fragte ich mich, was sie hier verloren hat. Sie ist als Brian Gilcrests manic pixie dream girl und love interest Captain Ng (mit hawaiianischen und chinesischen Vorfahren!!!) total fehlbesetzt. Darüber hinaus spielt sie auf Teufel komm raus, es passt auch gar nicht zur Rolle (oder zur Emma Stone, die eigentlich sehr witzig ist). Hauptsächlich aber wird sie dabei gezeigt, wie sie Gilcrest verliebt anstarrt.

PD: Abgesehen davon, dass ich auch kein sonderlich großer Fan von Bradley Cooper bin, war auch sein Charakter ein großes Mysterium. Was befähigte den von ihm gespielten Brian Gilcrest dazu, im Namen eines vermögenden Unternehmers, Verhandlungen mit der indigenen hawaiianischen Bevölkerung durchzuführen? Zudem war Gilcrest auch nicht viel mehr, als eine erneut aufgegossene Version des nach Sinn oder auch einer zweiten Chance suchenden Mannes, wie sie Crowe schon so oft präsentierte. Am ehesten erinnerte mich Coopers Darstellung an jene von Orlando Bloom in „Elizabethtown“.

Emma Stone fand ich nicht unbedingt fehlbesetzt. Ihr Charakter war schlicht unglaubwürdig. Sie spielte es mit der Verve und der Dynamik eines Screwball-Charakters á la Rosalind Russell in „His Girl Friday“. Doch während Russell dereinst einen nachvollziehbaren Hintergrund bekam, war Captain Ng einfach nur anwesend, um Gilcrest aus seinem Elend zu erretten. Ich nahm Stone keine Sekunde lang ab, dass sie tatsächlich beim Militär tätig ist. Das waren hübsche Kostüme, in denen sie für Cooper und das Publikum attraktiv zu wirken hatte.

YP: Zwar habe ich „Elizabethtown“ gesehen, einen bleibenden Eindruck hat er nicht hinterlassen. Bis auf „Jerry Maguire“ gefiel mir eigentlich kein Film von Crowe. In „Aloha“ haben auch nur die Nebendarstellerin und der Nebendarsteller einen Eindruck hinterlassen. Rachel McAdams Figur hat wenigstens Biss und John Krasinski hat ein paar gute Szenen. Bill Murrays exzentrischer Milliardär hat wenigstens auch ein paar witzige Lines.

Gilcrests Broterwerb war für mich auch ein Mysterium. Der gesamte Plot wirkte eher fragwürdig und danach, dass bestimmte Ereignisse vorkommen mussten – zusammengeschustert wurden – egal wie sehr das an den Haaren herbeigezogen wirkte oder gar logisch nachvollziehbar war. Vielmehr wirkte Crowes Film wie eine stimmungsvolle Liebeserklärung an Hawaii. Was er auch war, weil die Stärke des Films liegt auch in den Bildern.

PD: Mit Cameron Crowes Werk kam ich durch seinen autobiographisch gefärbten Musikfilm „Almost Famous“ in Berührung, und das ist immer noch ein wunderschöner Film, den ich mir immer wieder ansehen kann. Danach blieb eher der Wunsch, einen tollen Film von ihm zu sehen. Zumindest unterhielt mich „Vanilla Sky“ in manchen Abschnitten, auch wenn dadurch eher Interesse am spanischen Original und Alejandro Amenábar geweckt wurde.

Von der Figurenzeichnung, sind auch einige interessante Ansätze zu sehen, doch keine einzige verhält sich wie eine reale Person. Rachel McAdams als Gilcrests Ex-Freundin hatte aber auch einzig die Aufgabe, ihn verträumt anzusehen und Dialoge zu führen, die ein wenig die Handlung erklären. Krasinski als Woody hatte zwar den humorvollen „Er spricht nicht“-Spleen, aber nicht einmal das wurde durchgängig gehalten. So haben Tracy und Woody dann auch plötzlich Eheprobleme, weil der Film das offenbar gerade für nötig erachtet.

Immer wenn Bill Murray im Bild war, oder auch Alec Baldwin, dann hatte ich gehofft, dass jetzt ein wenig Drama und Leben in die Handlung gelangen würden. Stattdessen begnügten auch sie sich mit dem – humorvollen – Vortragen von Dialogen, die eine völlig unklare und unterentwickelte Handlung erklärten. Dass dann mittendrin Murray und Emma Stone eine absurde Tanzeinlage haben, hat mir den Rest gegeben. Das hatte schon mehr von „A Very Murray Christmas“.

YP: Vielleicht wollte Cameron Crowe einfach nur auf Hawaii drehen, der Rest – einschließlich dem Plot (ein sehr schwaches Drehbuch, der Plot ging scheinbar nicht über ein Storyboard hinaus) hat sich dann rein beiläufig ergeben. Und weil ein Budget da war, hat man halt ein paar namhafte Hollywood-Stars wie Cooper, Stone, McAdams, Murray und Krasinski engagiert, fertig ein Happy-Go-Lucky-Streifen. Oder so. Meinte man. Leider hat es dazu nicht gereicht, eben aufgrund dieser lieblosen Behandlung vorab.

Dieser Film ist aber auch nur aus dem Grund nicht spurlos an mir vorbei gegangen, weil es vorab bereits Kritik aus der Branche an der Besetzung gab. Das weißgewaschene Hawaii. Die Stereotype im Film sind sehr problematisch.

PD: Dieses Gefühl des „bezahlten Urlaubs“ hatte ich in letzter Zeit häufig bei Adam Sandler. Zwar glaube ich nicht, dass dem nun auch bei Cameron Crowe dies der Fall war, es würde aber viel erklären.

Da sticht ja vor allem die Besetzung von Emma Stone hervor. Dass sie im Film sowohl hawaiianische als auch chinesische Wurzeln haben soll, erschien mir wie ein schlechter Scherz.

YP: Filme mit Adam Sandler halte ich grundsätzlich gar nicht aus.

Die Ahnenlinie von Stones Figur ist ein Scherz, über den sich die Figuren untereinander auch mokieren. Sie erwähnt das auch bei jeder Gelegenheit. Das ist ein Film von Weißen für Weiße. Schlimm daran ist nur, wie die Unterschiede zwischen den Festland-Amerikanern zu den Insel-Bewohnern manifestiert werden. Da wird regelrecht schwarzweiß gemalt.

PD: Crowe wollte angeblich einen Liebesbrief an Hawaii filmen, aber da hat er dann doch eine sehr gesonderte Sichtweise präsentiert. Ng hätte als schräg-charmanter Charakter funktioniert, wenn dieser eben auch besser ausgearbeitet gewesen wäre. Abgesehen von verträumten Blicken und der immer wieder erwähnten Ahnenlinie, gab es hier aber nichts, woran man sich festhalten konnte.

Vielleicht scheiterte „Aloha“ aber daran, dass ich einfach keine Ahnung hatte, worum es da ging. Der Raketenstart war schließlich der Moment, an dem ich endgültig das Interesse verlor.

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