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Mit dem kleinen Independentfilm „Once“ sorgte John Carney 2007 für einen gelungenen Überraschungshit. Darin porträtiert er die Freundschaft zwischen einem irischen Straßenmusiker und einer tschechischen Putzfrau in Dublin. Der Titelsong des Films wurde im Jahr drauf sogar mit einem Oscar ausgezeichnet. In „Begin Again“, seinem neuen Film, geht es auch um Freundschaft und Musik, allerdings im aufpolierten Stil und mit Starbesetzung. Mark Ruffalo spielt einen gefallenen Musikproduzenten, der aus Keira Knightleys Figur einen authentischen Star im affektierten Popolymp machen will.

PD: Ein Film, der sich der guten Laune und schönen Songs verschreibt, sollte eventuell gute Songs abliefern. Das waren großteils ziemlich banale und oberflächliche Pop-Balladen die da zum Besten gegeben wurden.

YP: Auf der anderen Seite: Ist das nicht Popmusik, wie sie leibt und lebt? Die Songs waren mittelmäßig, das stimmt. Aber ich kann sie mir gut im Radio vorstellen. Also ist die Mission erfüllt.

PD: Das würde ich akzeptieren, wenn der Plattenmanager Dan nicht als Quergeist mit einzigartigem Geschmack dargestellt worden wäre. Doch dann verfällt er einer sehr banalen U-Bahn-Einsamkeitssong-Ballade. Das passte schlicht nicht zusammen.

Dazu möchte ich aber sagen, dass mir Mark Ruffalo als Dan hervorragend gefiel. Er verleiht dem Charakter seinen ihm typischen Charme.

YP: Ein Mainstream-Abklatsch von „Once“. Wobei ich „Once“ sehr süß fand. Nicht bahnbrechend oder dergleichen. Einfach nur erfrischend authentisch und stimmig.

PD: “Once“ habe ich nicht gesehen. Ich wollte unbelastet in diesen Film hinein gehen. Zum Pech von John Carney habe ich nun keinerlei Lust darauf, ihn mir anzusehen.

YP: Zu mittelmäßig, um einzigartig zu sein. Das ist der Film für mich, die Songs, die Besetzung, die Idee. „Begin Again“ ist konstruiert und langweilig. Dennoch unterhaltsam.

PD: Das schwankt für mich extrem. Einerseits gibt es Momente, in denen man sich der „Feel-Good“-Atmosphäre nicht entziehen kann und dann blickt man wieder regelrecht entsetzt auf furchtbar Klischeebesetzte Konflikte wie jenen von Dan und seiner Tochter Violet (Hailee Steinfeld). Oder jenen zwischen Gretta und ihrem Popstar-Freund Dave (Adam Levine), der auch ein Konflikt zwischen Independent und Mainstream sein soll. Konstruiert ist bei diesem Film wirklich das Schlüsselwort.

YP: Streckenweise konnte ich mich trotzdem in der Geschichte verlieren. Und wie gut, dass das keine love story ist. So hat es dem Film wirklich mehr Würze gegeben.

PD: Davor hatte ich mich gefürchtet, als sich Dan und Gretta häufiger sehr tief in die Augen sahen. Vor allem wenn sie auf den nächtlichen Spaziergang gehen und sich die Songs anhören. Das war ein furchtbar kitschiger Moment und hätte im schlimmsten Fall in einer Schnulze mit Familiendrama enden können.

YP: Abgesehen davon, dass die Popsongs im Film zu vergesslich sind, es ist doch eine nette – auch wenn nicht bahnbrechende – Geschichte. Die so für sich steht, trotz „Once“ im Hintergrund. Ich habe mir nichts Großartiges vorgestellt, nichts wahnsinnig Tolles erwartet und bin dementsprechend unterhalten aus dem Kino gegangen.

Sehen wir über diese stylischen Tricks hinweg: wer Mainstream erwartet, kriegt ihn hier geboten.

PD: Mir war „Begin Again“ nur zu – sagen wir – belanglos. Es wurden viele Konflikte aufgeworfen, die aber durch Zauberhand verschwunden sind. Es benötigte kaum einer wirklichen Anstrengung, um zum Ziel zu gelangen. So treibt die Geschichte vor sich hin, ohne je irgendwelche Höhen zu erreichen.

Das ist mir auch für einen Mainstream-Film zu wenig. Wie immer man das jetzt definiert, denn das hier ist für mich ein Indie-Faserschmeichler. Einzig die gut aufgelegten Darsteller (neben Ruffalo und Knightley auch noch James Corden als Sidekick) und der eine oder andere Song konnten mich unterhalten.

YP: Mehr als leichte und seichte Unterhaltung war das nicht, dem stimme ich schon zu. Ein wenig musste ich schon schmunzeln. Wobei die von Adam Levine und Mos Def gespielten Figuren ein wenig für das Comic Relief sorgten.

PD: Findest du? Adam Levine sah ich überhaupt nicht als Comic Relief, der wurde als ernsthafter Charakter aufgebaut. Mos Def hatte etwas von einem Gastauftritt. Ein Musiker, der einen Label-Chef spielt. Die Komik bei Levine kam ja über die Häme die Corden und Knightley über ihn ergossen.

YP: Ich finde eben schon, weil beide dermaßen überzeichnet dargestellt wurden. Der Rockstar im Amish-Look mit Bart (Levine) und der unnahbare Label-Boss mit unbeweglicher Miene (Mos Def). Das sind doch schon auch ordentliche Seitenhiebe auf die Musik-Industrie.

PD: Es sind doch alle Charaktere im Film reine Klischees. Der unverstandene Manager mit dem Auge für das Besondere. Das Songwriter-Talent, welches zu gut für den Massengeschmack ist. Der Straßenmusiker ohne Glück.

YP: Das ist ein guter Einwand deinerseits. Sympathisch sind die Figuren aber schon, auch wenn nicht besonders originell.

PD: Originalität ist nicht unbedingt die Stärke von „Begin Again“. … und gute Laune alleine ist mir zu wenig.

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