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Ohne um den heißen Brei herumzureden: wir haben die neueste Staffel „Game of Thrones“ gesehen und wollen euch unsere Eindrücke nicht vorenthalten. Achtung, Spoiler.

YP: Über „Game of Thrones“ kann man ja sagen, was man will, die Serie vermag nun auch nach sechs Staffeln zu überraschen. Auch wenn die Leidenschaft mit vielen der geliebten Figuren gestorben ist, die Serie wird nicht wirklich fad.

PD: Dabei war gerade bei Staffel 6 das Problem, dass sich alles in sehr vorhersehbaren Bahnen entwickelt hat. Trotz dieser Vorhersehbarkeit, konnte das Geschehen unterhalten und stellenweise auch packend sein, wie bei Aryas Flucht vor den Faceless Men. Das war mein Lieblingsteil der gesamten Staffel. Nicht nur hat sich Arya mit der Zeit zu meinem Lieblingscharakter entwickelt, sondern Dank der Begegnung mit Tom Wlaschiha (Jaqen H’ghar) auf der Comic Con in Linz, ist auch mein Interesse an den Faceless Men immens gestiegen.

YP: Für wen vorhersehbar? Wir haben beide die Bücher gelesen, recht viel Überraschungspotential bietet die Serie bis dato nicht. Mir ging es hauptsächlich darum, wie sie die Stränge verknüpfen und weiter auflösen. Nehmen wir ein Beispiel: Bran wird zum 3-Eyed-Raven und erfährt um den Ursprung der White Walkers. Dann haben wir diesen fantastischen obwohl emotional aufbrausenden plot twist um Hodor. Und dann ist da noch die Frage um Jon Snows Eltern. Das ist auch DER schlechthin. Daenerys bekommt außerdem ihre Flotte und Yara ihre Souveränität. Das sind meine persönlichen Highlights der Staffel. Und es sind immerhin mehrere in einer als in den letzten beiden Staffeln gemeinsam.

PD: Ich habe nach Buch Nummer 4 aufgehört. Eventuell finde ich irgendwann die Motivation doch wieder weiter zu lesen, doch die Frage der Vorhersehbarkeit stellt sich ja dennoch. Nicht jeder „Game of Thrones“-Seher wird die Bücher gelesen haben, so wie man auch nicht davon ausgehen kann, dass jeder „Lord of the Rings“-Kinogänger die Bücher kennt. Die Frage der Vorhersehbarkeit, bezieht sich auf die Art der Inszenierung und da ich eben „Lord of the Rings“ erwähnte, möchte ich hier das Ende von Episode 8 und die gesamte Episode 9 erwähnen.

Am Ende von Episode 8 scheint Meereen endgültig von den alten Meistern wieder übernommen zu werden. Tyrion und Missandei sitzen im Saal fest und natürlich tritt dann in den letzten Sekunden der Folge, Danaerys in den Raum ein und löst die Spannung auf. So wie am Beginn von Episode 9 die Schlacht um Meereen durch die plötzlich auftauchenden Drachen beendet wird. Auch am Ende der „Battle of the Bastards“ ist es eine aus dem Nichts auftauchende Macht, die der Schlacht ihr Ende bereitet. In dem Fall Sansa Stark und Littlefinger. Das erinnerte sehr stark an das Finale von „The Two Towers“. Das war sehr unterhaltsam und spektakulär gemacht, aber es gab nicht die großen Überraschungen.

YP: Die großen Überraschungen gab es dann in Winterfell. Jon Snow wurde von Melisandre wiederbelebt. Ich glaube auch nicht, dass irgendwer, der die Bücher nicht gelesen hat, irgendwas mit Jon Snows Eltern anfangen kann, viel zu wenig wurde von diesen Figuren gesprochen oder irgendwas in die Richtung angedeutet – was in den Büchern (sogar im ersten Buch) ständig präsent war. Daenerys ist also Jons Tante. Ich wage zu behaupten, dass dies unmöglich vorherzusehen war ohne Vorwissen. Und das ist doch der Schlüsselmoment schlechthin.

PD: Der Schlüsselmoment für mich war Daenerys‘ und Yaras‘ Einigung, die auch recht humorvoll mit mehrdeutigen Augenzwinkern angereichert war. Da wird schon sehr viel für die kommenden beiden (finalen?) Staffeln in die Wege geleitet. Zudem stand das sinnbildlich für mich, dass es in Staffel 6 vor allem darum ging, welche Macht die Frauen in dieser Serie haben.

Die Frage wer die Eltern von Jon Snow sind, hat mich recht wenig berührt. Die Wiederbelebung von Jon hat mich aber kurze Zeit in eine ähnliche Lage gebracht, wie bei den neuesten „The Walking Dead“-Episoden. War es in früheren Episoden unsicher, ob dein geliebter Charakter die Staffel überlebt, werden jetzt sogar einst getötete Charaktere wiederbelebt. Wobei ich damit bei „Game of Thrones“ weniger Probleme habe. Immerhin wird hier mit Fantasy-Mechanismen nur so um sich geworfen, da kann auch ein wenig schwarze Magie zugunsten eines Fan-Favoriten genutzt werden.

YP: So sehr geht es eigentlich gar nicht darum, welche Macht die Frauen haben werden, sondern welche neuen Wege sie beschreiten, um an die Macht zu kommen. Bzw. auf welche Art und Weise. Hier gibt es keine Ordnung nach Geburtsrecht, wie wir das so kennen. Und es haben sich zwei Fronten herausgebildet. Ich interpretiere das schon fast als eine Patriachat versus Matriarchat-Sache.

Während sich die smarten Daenerys und Yara in Meereen (ich habe keinen Unterton vernommen, da erkennen sich zwei starke Figuren ineinander, aber vielleicht braucht es für diesen Blickwinkel den „male gaze“) und Olenna Tyrell und Ellaria Sand und die Sand Snakes in Dorne gemeinsam gegen Cersei plotten und – noch friedlich – Allianzen knüpfen, werfen sich die dummen hinterwäldlerischen Männer in Schlachten. Cersei treibt das patriarchale Herrscherspiel an die Spitze und an den Rand der Vernunft (man denke hier an „the mad king“ und Jaimes Blick) und Sansa fühlt sich ihrem Halbbruder überlegen. Wer weiß, welche Flausen ihr Littlefinger ins Ohr setzt. Das steht so sinnbildlich  für den Untergang von Westeros mit seinen veralteten Strukturen und Hierarchien. Egal, was mit der Ära der Drachen noch eingeläutet wird, es wird Westeros zum Guten verändern. Aber andererseits: jetzt, wo der Winter schließlich gekommen ist, da wären ja noch die White Walkers.

PD: Interessanter Gesichtspunkt, so hatte ich das gar nicht interpretiert. Ich zweifle aber stark daran, dass durch die wieder belebte Ära der Drachen, sich alles zum Guten wenden wird. Daenerys hat sich im Laufe der Serie in ihren Fähigkeiten über eine Stadt zu herrschen gebessert, aber sie scheint mir nicht die Heilsbringerin zu sein. Viel wichtiger denn die Schlacht um den eisernen Thron, wird jene gegen die White Walker.

Spannend wird es auch, welche Charaktere (und dazu prominente Mimen) im Laufe der nächsten Episoden auftauchen werden. In Staffel 6 wurde ein Ian McShane als Bruder Ray geradezu verheizt, nur um die Rückkehr von Sandor Clegane zeigen zu können. Ebenso war der Coup in Dorne sträflich kurz, was dazu führte, dass man den tollen Alexander Siddig als Prinz Doran viel zu kurz zu sehen bekam.

YP: Daenerys ist sicher nicht die Heilsbringerin, aber sie ist revolutionär und bringt das zustande, was keinem vor ihr gelang: sie befreit die Sklavenstädte Yunkai, Astapor und Meereen; sie ist die erste Khaleesi ohne Khal und sie segelt nach Westeros, um ihr Erbe anzutreten. Dass davon nicht viel übrig sein wird, spielt eigentlich keine Rolle. Und dann noch die Drachen, die auch bestimmt sehr nützlich werden im Kampf gegen die White Walker (neben dem Wildfire). In meinen Augen wird es kein Westeros – wie es vorher war – geben. Aber Daenerys ist die Schlüsselfigur dabei und für sie wird es ein Happy End geben.

PD: Ein mögliches Ende, vor allem da die Serie ja auch immer mehr und mit schnellem Schritt in Richtung Finale schreitet. Einen wirklichen Abschluss sehe ich aber nicht am Horizont. Selbst wenn alle Schlachten geschlagen, und alle Kontrahenten besiegt sind, bleibt doch immer noch diese Ungewissheit, wie es danach (nach dem Serienende) weitergehen soll. So wie man auch die Erzählungen der Historie rund um Westeros schön im Kopf weiterspinnen kann, wird es wohl auch nach dem Ende sein, dass die Geschichte zumindest im Kopf fortgeführt wird. Ganz egal wer dann am eisernen Thron sitzt.

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