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Die Nachricht um den Tod des 27-jährigen Schauspielers Anton Yelchin hat uns beide berührt. Immerhin ist man als Kinofan an seinen diversen Rollen sowohl in Mainstream-Filmen oder Genre-Werken nicht drumherum gekommen.

YP: Erstmals ist mir Anton Yelchin neben Justin Timberlake in „Alpha Dog“ sehr postitiv aufgefallen, das war auch der Film, wo ich mir seinen Namen gemerkt habe. Das ist mittlerweile 10 Jahre her. Und der letzte Film mit ihm war die Horror-Komödie „Burying the Ex“. Ich finde es ausgesprochen schade, dass ich keine Chance mehr habe diesen talentieren Schauspieler im Kino zu sehen.

PD: Das erste Mal fiel mir sein Name im Zusammenhang mit der Stephen-King-Verfilmung „Hearts in Atlantis“ auf, allerdings nahm ich das mehr als Star-Vehikel für Anthony Hopkins war. Seine Rolle in „Alpha Dog“ war auch für mich, wie wohl für viele Filmfreunde, der Punkt, an dem man Yelchin plötzlich auf dem Radar hatte. So wie auch Emile Hirsch, Amanda Seyfried und Ben Foster. Dieser Film war in der Karriere vieler Darsteller ein wichtiger Wendepunkt. Danach schien Anton Yelchin plötzlich überall aufzutauchen. Nicht zuletzt als Chekov in den neuen „Star Trek“-Filmen.

YP: Natürlich, in den beiden bisher erschienenen „Star Trek“-Filmen hat er seine Breitenwirksamkeit unter Beweis gestellt. Seinen Chekov hat er mit der nötigen Flapsigkeit und mit dem Humor angelegt, welche wir erwartet haben. In den letzten – vor allem – 10 Jahren hat er sowohl seinen Fleiß als auch sein Talent in seiner Rollenwahl bedient.

PD: Das hat mich sowohl sehr betrübt als auch überrascht. Die Fülle an Projekten, die Yelchin in seiner Vita stehen hat und wie wenige man davon gesehen hat. Dabei war er in etlichen Filmen herausragend, nur waren diese zum Großteil eher im Independent-Bereich angesiedelt. Als Titelcharakter in „Charlie Bartlett“ bewies er sein Potential im Spiel mit Hochkarätern wie Hope Davis und Robert Downey Jr.

Im erst kürzlich gesichteten „Like Crazy“ sieht man, wie in „Alpha Dog“, die ganze Bandbreite an Emotionen, die er mit wenigen Gesten vermitteln konnte. Doch am auffälligsten war für mich seine Wandlungsfähigkeit. Nebenrollen wie in „Only Lovers Left Alive“ oder „Experimenter“ waren die perfekte Bühne, und dennoch stellte er sich nie in den Vordergrund. In seiner Generation fällt mir da nur noch Paul Dano ein, den ich ebenso hoch schätze.

YP: In „Only Lovers Left Alive“ stellt er neben Mia Wasikowska das witzige Figuren-Pendant zu den von Tom Hiddleston und Tilda Swinton gespielten Protagonisten Adam und Eve. In Jarmuschs Film setzte das natürlich auch die Rolle mit dem gewissen Comic relief voraus. Yelchin hat auch die meisten seiner Figuren so angelegt, dass er zwar immer in Erinnerung bleibt mit seiner Performance, allerdings sich nie allzu vordergründig platziert oder gar aufdrängt. Vergleiche ich ihn mit dem gleichaltrigen Schauspielkollegen Shia LaBeouf, wo man zum Beispiel beide in zwei Episoden in „New York, I love You“ bewundern kann, dann sind das zwei so unterschiedliche Darsteller wie Tag und Nacht. Wobei sich Shia LaBeouf immer so gebärdet, als spiele er um sein Leben (was seine Rollenwahl vielleicht auch etwas einschränkt), ist Yelchin dann eher derjenige, der mit seinem bescheidenen Spiel auffällt und punktet.

PD: In dieser Hinsicht erinnerte er mich immer ein wenig an eine jüngere Version von Liev Schreiber. Womöglich auch, weil beide familiäre osteuropäische Wurzeln haben. Allerdings auch, da Schreiber ebenso in seinen Rollen versinkt und sich nie oder nur selten in den Vordergrund spielt, wie man in jüngerer Vergangenheit in „Ray Donovan“, „Spotlight“ oder „Pawn Sacrifice“ sehen kann.

Yelchin hatte auch diese Sensiblität und Zurückhaltung, um zugleich auch eindrücklich zu zeigen, dass er tatsächlich einen Charakter spielt. LaBeouf wirkte immer schon mehr wie ein Star und weniger wie ein Schauspieler. Wohl auch deshalb konnte Yelchin in missratenen Blockbustern wie „Terminator Salvation“ oder sehr gelungenen wie den neuen „Star Trek“-Filmen auftreten, und sich dennoch diesen Respekt erhalten, der seiner Arbeit entgegen gebracht wurde. Im Nachruf im Variety, wurde ihm Elijah Wood als Pendant gegenübergestellt, der seine Kindlichkeit bislang nie ganz ablegen konnte. Yelchin wirkte auch in diesen Jungenhaften Rollen bereits sehr reif.

YP: Im letzten Film mit ihm im Kino, den ich im Rahmen der Viennale gesehen habe, spielt Yelchin sogar die männliche Hauptrolle – mehr oder weniger. „Burying the Ex“ haben wir sogar letzten Oktober während des #Horrorctobers besprochen. Das Problem war allerdings, dass der Film einfach nicht gut war, da konnte auch Yelchin nicht viel dazu anrichten. Als Horror-Satire war der Film einfach nicht nach meinem Geschmack. Abgesehen von der überzogenen – fast karikaturhaften – Figurenzeichnungen, ist es ein grässliches und sexistisches Drehbuch. Für Yelchin war das eine atypische Rolle, wenn du mich fragst. So aus sich herausgehen zu müssen.

PD: Ungewöhnlich fand ich auch seine Besetzung in Michael Almereydas Version von Williams Shakespeares „Cymbeline“. Als junger Schauspieler war das aber eine kluge Rollenwahl, um sein Repertoire zu erweitern. So erscheint mir auch die Besetzung in „Burying the Ex“. Er hätte natürlich auch den Rollentyp aus „Alpha Dog“ einige Jahre weiter spielen können, aber dann wäre seine Karriere wohl auch schnell im Nirgendwo versandet. Sein steter Wechsel zwischen Genre-Arbeiten, Independent-Filmen und Blockbustern, wirkt wie das Auftreten eines alten Hollywood-Hasen. Niemals hätte ich ihn auf erst 27 Jahre geschätzt.

YP: Ich finde, deine letzten zwei Sätze bringen seine bis dato bewundernswerte Karriere auf den Punkt. Er steht ja auch seit 2000 vor der Kamera und trotz seines jungen Alters, bewies er Gespür für eine seine Rollenauswahl, da muss ich mich wiederholen. Wirklich schade, dass wir ihn nicht mehr zu Gesicht bekommen.

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