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In unserem Dialog Anfang Oktober haben wir einen Ausblick auf den diesjährigen #Horrorctober gewagt. In diesem Dialog möchten wir den Monat rückblickend zusammenfassen, immerhin wurden einige Filme gesichtet.

PD: Ich bin richtig stolz, dass ich alle Filme, die auf meiner Liste standen auch tatsächlich gesichtet wurden. Diesmal waren mit „It Follows“ und „Crimson Peak“ sogar zwei aktuell im Kino laufende Horrorfilme dabei. Üblicherweise beschränkt sich mein Horrorkonsum auf den heimischen Fernseher.

YP: Nachdem ich über 19 Filme auf dieser Liste hatte, war es diesmal auch einfacher für mich, nach Lust und Laune aus diesen auszuwählen. Schließlich habe ich mich auf 13 beschränkt und diese auch gesichtet. Mit „It Follows“ und „Crimson Peak“ habe ich auch zwei aktuelle Filme auf der Liste. Und mit dem Viennale-Beitrag „The Devil’s Candy“ sogar einen Festivalbeitrag. Letztes Jahr habe ich im Rahmen der Viennale den großartigen „A Girl Walks Home Alone at Night“ gesichtet. Und den furchtbaren „Burying the Ex“. Gerne hätte ich mir auch den vielerorts empfohlenen Film „Der Nachtmahr“ angesehen, das ist dann leider nichts geworden.

PD: Auf der Viennale kam ich leider nicht dazu, mir einen neuen Horrorfilm zu Gemüte zu führen, auch wenn ich von „The Devil’s Candy“ viel gehört habe. Du hast den ja auch recht eigentümlich gefunden, wenn ich mich recht erinnere?

Als Highlight meines #Horrorctober empfand ich die erneuten Sichtungen des Expressionismus-Klassikers „Das Cabinet des Dr. Caligari“ und der Trash-Perle „Werewolf in a Women’s Prison“. Hinzu kam das herrliche Horror-Musical „Little Shop of Horrors“ von Frank Oz. Wie ich diesen herrlich unterhaltsamen Film so lange übersehen konnte, und das obwohl ich das charmante Original von Roger Corman vor Jahren sah, ist mir ein Rätsel. Umso erfreulicher, dass ich Rick Moranis als tapsigen Floristen Seymour und die Menschenfressende Pflanze Audrey II endlich sehen konnte. Allerdings hat „Little Shop of Horrors“, mit den Gastauftritten von Comedy-Stars wie John Candy, Bill Murray und einem herrlichen Steve Martin als sadistischem Zahnarzt, mehr von einer Komödie, denn von einem Horrorfilm.

YP: Wiedersehensfreude gab es bei mir bei den Hitchcock-Filmen: „Rebecca“, „Marnie“ und „Frenzy“. „The Devil’s Candy“ hat mir leider nichts gegeben. Weder atmosphärisch noch dramaturgisch, geschweige denn thematisch. Der Film des australischen Regisseurs Sean Byrne braucht über einer halbe Stunde, um in die Gänge zu kommen und dann ruckelt der Plot vor sich hin. Leugnen möchte ich nicht, dass es einige schön inszenierte Einstellungen von Vorstadt-Romantik zu sehen gab. Darüber hinaus störte ich mich sehr an der Lautstärke im Saal, welche wahrscheinlich die Heavy-Metal-Musik im Film bestens unterstreichen wollte.

Sehr gut gefiel mir hingegen die Horror-Umsetzung in „It Follows“, dem Debütfilm von David Robert Mitchell. Sein Horror ist subtil und zweitrangig, aber das beklemmende Gefühl wird man nach der Sichtung nicht so schnell wieder los. Dem makellosen Suburbia-Setting werden Bilder vom heruntergekommenen Detroit entgegengesetzt, die Teenaager-Protagonisten müssen sich mit einem Virus herumschlagen, welches nur durch sexuelle Vereinigung übertragen wird und genau so wieder loszuwerden ist. Genauso aufgekratzt war ich auch nach „Ich seh Ich seh“ und „The Babadook“. Alle drei sehr einnehmende Filme, die lange nachwirken. Das war für mich ein ganz gutes #Horrorctober Jahr.

PD: Von „It Follows“ war ich wiederum enttäuscht. Diese beklemmende Gefühl wollte sich bei mir nie einstellen. Ständig wartete ich darauf, dass etwas gruseliges passieren sollte, aber stattdessen bleibt einzig der Eindruck sehr viel „Teenage Angst“ zu sehen bekommen zu haben. Dabei fand ich den Beginn mit dem unerklärten Todesfall der jungen Frau vielversprechend.

„The Babadook“ habe ich zwar nicht im Rahmen des #Horrorctober gesehen, aber ich kann mich noch daran erinnern, dass ich vor allem von Essie Davis in der Rolle der geforderten Mutter begeistert war. Aus dem Setting hätte man sicher noch mehr heraus holen können, aber im Großen und Ganzen blieb dieser Film viel mehr haften, denn „It Follows“. Selbst bei „Crimson Peak“ hatte ich mehr, woran ich mich festmachen konnte, und sei es nur das vor Goth-Schick übergehende Dekor.

YP: Bei „Crimson Peak“ war ich hin- und hergerissen. Selbstverständlich war der Film exzellent besetzt und für mich gerade deshalb einlandend. Einerseits war das natürlich Alles schön in Samt, Spitze und Tüll gehüllt. Andererseits war ich erschrocken, wie vorhersehbar Guillermo del Toro den Plot schließlich inszeniert hat. Und leider hat er sich auch so sehr auf die Optik der Inszenierung konzentriert, dass Vieles auf der Strecke bleibt. Wenn ich an „Crimson Peak“ denke, dann habe ich zusammenhangslose Bilder im Kopf, ohne einen roten Faden. Und der Gore zum Schluss war dann auch etwas holprig dargestellt.

PD: Laut Branchenanalysen scheiterte „Crimson Peak“ an den Kinokassen ja gerade daran, dass er für Hardcore-Horror-Fans zu sanft war und sich zu sehr in den hübschen Oberflächen verlor, während er für Freunde des sanften Grusels wieder zu blutig war. Die blutigen Aspekte empfand ich als kaum wahrnehmbar, weshalb ich diesen Punkt nicht ganz nachvollziehen kann. Bis auf den Mord an Ediths Vater, war das ein sehr unblutiger Film.

Was nun aber die Ausstattung und das Setting angeht. Da verliebte ich mich gerade in del Toros Inszenierung. Es ist ein wunderschöner Film, wo er laut eigenen Aussagen Mario Bava nacheiferte. Dass er dabei eher eine vorhersehbare Goth-Romanze ablieferte, verzeihe ich ihm im Großen und Ganzen. Für die Augen ist „Crimson Peak“ eine Freude. Für den Geist weniger.

Wirklich entsetzt war ich einzig von „Area 51“. Da passte wirklich gar nichts zusammen. Der Nachfolgefilm vom „Paranormal Activity“-Regisseur Oren Peli, hat in mir jeden Wunsch abgetötet mir auch einmal seinen Debüthit anzusehen.

YP: Ich hatte einige Sichtungsschwierigkeiten bei „Possession“ von Andrzej Żuławski, vor allem, weil der sehr am Nervenkostüm zerrte. Nicht wirklich geradlinig wird hier auf eigenwillige Art und Weise eine wirklich sehr unkonventionelle Besessenheits- und Beziehungsgeschichte erzählt, dass sich die Zehennägel aufbiegen. Hier konnte ich sogar Parallelen zu Hitchcocks „Marnie“ entdecken. Nichtsdestotrotz war „Possession“ sicher einer der faszinierendsten Filme auf meiner diesjährigen #Horrorctober-Liste.

PD: Dieses Jahr war ich von meiner Auswahl leicht enttäuscht. Die Filme die mir wirklich hängen blieben, waren erneute Sichtungen. Einzig „Little Shop of Horrors“ war eine schöne „Neu“entdeckung. Da war 2014 ein erfüllenderer #Horrorctober-Jahrgang. Das steigert allerdings bereits die Vorfreude auf das nächste Jahr. Da bin ich sicher wieder dabei.

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