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Nach Darren Aronofsky und „Noah“, wagt sich Ridley Scott mit „Exodus: Gods and Kings“ an eine populäre Bibelpassage heran. Mit Christian Bale steht ihm dafür auch ein großartiger Darsteller zur Verfügung. Doch genügt das, um die Erinnerungen an den alten Hollywood-Schinken mit Charlton Heston und Yul Brynner zu vertreiben?

YP: Mich amüsiert noch immer deine Aussage, als du mich fragtest, ob „Exodus“ nur ein „Robin Hood“ im biblischen Setting ist. Und ich bejahe das. Allerdings war ich erstaunlicherweise doch unterhalten. Zu meiner eigenen Überraschung. Harmloses Kinovergnügen

PD: Ridley Scott schleppt seit einiger Zeit einen gewissen Rucksack mit sich herum, der auch in der Vorschau zu „Exodus“ deutlich zu spüren war. Da gab es „Gladiator“, dann den auf Gladiator getrimmten „Robin Hood“ und es stand zu befürchten, dass es mit Moses genauso laufen würde. Zum Glück war es doch nicht ganz so schlimm.

Obwohl, wenn Moses die Sklaven heimlich trainiert und diese sehr schnell sehr gut im Umgang mit Pfeil und Bogen werden, war der „Robin Hood“-Vergleich nicht mehr weit weg.

YP: Aber der Film ist stimmig und atmosphärisch. Wobei natürlich wieder lächerlich pompös. Ein bisschen „Cleopatra“ findet sich da schon wieder. Und Scott ist jetzt nicht der Auteur mit eigener Bildsprache, er liefert wieder altbewährte altbekannte Kost. Wenn ich an „Noah“ von Aronofsky denke, dann war letzterer fast poetisch.

PD: Das erfreute mich zu Beginn. Scott inszenierte den Film, wie eine große Episode der TV-Serie „Rome“. Bis hin zur Verbannung von Moses war es wirklich unterhaltsam. Von da weg, beginnt sich das Geschehen zu ziehen. Die Flucht, die Familie, die Begegnung mit Gott. Warum so wenige Bibelverse immer so unendlich lange Filmminuten sein müssen, verstehe ich nicht.

Im Vergleich zu „Noah“ wagt Scott auch weniger. Zwar gefiel mir der Einfall, dass Moses erst nach dem Schlag auf den Kopf seine göttlichen Eingebungen hatte, aber das war es auch schon an interessanten Ideen. Ansonsten war das episches Effektkino.

YP: Mutig war auch die Besetzung von Gott, bzw. Moses Vision von Gott. Und leider ging das ja nach hinten los. Ich weiß nicht, ob ich die Entscheidung bewundern soll, oder mich wundern soll. So wirkt es, als hätte Moses mehr Halluzinationen statt Visionen.

PD: Genau das hat mir wieder besser gefallen. Es war zumindest ein Versuch, Gott darzustellen und es passte auch sehr gut zu Christian Bales richtig guter Darstellung von Moses. Er wanderte immer mehr ins Wahnhafte.

Unklar bin ich mir bezüglich der anderen Darsteller. Joel Edgerton spielte Ramses zumindest in manchen Szenen wie einen beschränkten Klotz, was lustig anzusehen war, aber nicht so ganz zur Dramatik der ganzen Situation passte. Warum man Sigourney Weaver für eine beinahe stumme Rolle engagiert, weiß auch nur ihr Agent.

YP: Die meisten Schauspieler waren Platzpatronen. Von Bale war ich gänzlich unbeeindruckt, Edgertons Ramses hatte einen gewissen Humor und Witz bei sich und Weavers Rolle ist mir bis heute ein Rätsel.

Auch habe ich Aaron Paul kaum erkannt. Ben Kinsley, WTF?

PD: Bale war für mich einer der wenigen Gründe, weshalb ich weiter aufmerksam blieb.

Viele Charaktere waren gänzlich unterentwickelt. Aaron Paul als Joshua durfte immer wieder mal ins Bild schauen, aber kaum einen Beitrag leisten. Viel schlimmer war nur die Einführung von Moses‘ Bruder, die tatsächlich so ablief, dass ein bis zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannter Mann in die Hütte tritt und als Moses‘ Bruder vorgestellt wird. Das soll uns als Zusehern genügen.

„Exodus“ hat seine unterhaltsamen Momente, aber aufgrund der Vernachlässigung jeglicher Charakterzeichnung und des stellenweise langsamen Tempos, würde ich den trotzdem nicht weiter empfehlen.

YP: Hollywood’sche Stangenware, bzw. Einheitsbrei. Den brauchst du gar nicht weiterempfehlen, das Publikum pilgert in Massen ohnehin in die Kinopaläste. Biblische Mythen lassen die Kinokassen schnell mal klingeln, ganz in gewohnter Manier.

PD: Wenn man sich das Einspielergebnis ansieht, dann hält sich das Publikum bei „Exodus“ aber nobel zurück.

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